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grep – adapt/oppose

SONIC ARTS LOUNGE

Improvisationen und Kompositionen (2007) UA
für
Flöte, Klarinette, Saxophon, Schlagzeug, Feuerwehrtrommel, Elektronik, Laptop, präparierte Lautsprecher und Projektion
auf
vier Bühnen
von
Burkhard Beins / Orm Finnendahl / Genoël Rühle / Nikolai Zinke
mit dem
Workshopensemble der Musikalischen Sommerakademie
Schloss Königs Wusterhausen:
Sascha Armbruster · Leitung/Saxophon
Burkhard Beins · Leitung/Perkussion/Objekte
Orm Finnendahl · Leitung/Computer/Live Elektronik
Johanna Hessenberg /Sebastien Schiesser /Marcel Schmid/
Marcus Wenninger · Saxophon
Fabio Mina · Flöte
Genoël Rühle · Elektronik/Lautsprecherinstallationen
Nikolai Zinke · Laptop
Florian Dittrich · Produktionsleitung

Ein Projekt der 3. Musikalischen Sommerakademie Schloss Königs Wusterhausen in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele, mit Unterstützung von „klangzeitort“ Institut für Neue Musik der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und Universität der Künste Berlin

Diese Sonic Arts Lounge stellt die Ergebnisse eines Sommerkurses zu experimenteller Musik vor, der im Sommer 2006 im Schloss Königs-Wusterhausen unter der Leitung von Sascha Armbruster, Burkhard Beins und Orm Finnendahl stattfand. Ausgangspunkte für den Kurs bildeten verschiedene Kompositionen und Improvisationskonzepte der Workshopleiter. Eines der zentralen Werke war dabei die Komposition grep von Orm Finnendahl für Saxofon, Schlagzeug und Laptop, dessen einzelne Abschnitte auf den Konzertabend verteilt sowohl von Sascha Armbruster, Burkhard Beins und Orm Finnendahl, als auch in einzelnen Sektionen von den Kursteilnehmern interpretiert werden.

Bei grep handelt es sich nicht um eine Komposition im traditionellen Verständnis einer Fixierung von Spielhandlungen und den damit verbundenen Klängen der Musiker. Fixiert wurden vielmehr elektronische Verfahrensweisen und syntaktische Zusammenhänge, die festlegen, wie der Computer von den Interpreten gespielte Klänge verarbeitet. Die Klänge selber werden weit gehend von den Musikern selbst bestimmt. Das bedingt einen veränderten Proben- und Entwicklungsprozess des Stückes, in dem die instrumentalen Spielweisen und das Programm in wechselseitigem Bezug entwickelt werden. Damit verbunden ist die Anforderung an die Interpreten, ihrerseits aktiv an der Gestaltung der Aufführung mitzuwirken. Die Transparenz wird für die Musiker mit Hilfe von Visualisierungen der Computertransformationen, die in Echtzeit aktualisiert werden können, erreicht. Diese Grafiken, die auch für die Zuschauer sichtbar sind, stellen dabei keine Partitur dar, sondern zeigen, wie der Computer die live gespielten Klänge verarbeitet, um so den Interpreten die Möglichkeit anderer Interaktionsformen zu geben.

Dieser Versuch einer neuartigen Verbindung von Konzeption, Komposition und Improvisation ist angelehnt an die Produktionsform kooperativer Open Source Ansätze, wie man sie beispielsweise bei dem Online Lexikon Wikipedia oder bei verschiedenen Programm- und Betriebssystemsentwicklungen finden kann.
Zusätzlich gelangen neben eigenen Kompositionen der Workshopteilnehmer auch Kompositionen und Konzepte von Burkhard Beins zur Aufführung, die ganz bewusst nur auf wenige musikalische Parameter gezielt Einfluss nehmen, alle anderen aber der Entscheidungsfreiheit und Kreativität der Spieler überantworten. So besteht z.B. adapt/oppose aus einem komplexen Bezugssystem für 7 Instrumentalisten, das lediglich die Art der Kommunikationsverläufe innerhalb der Gruppe vorgibt, das jeweilige musikalische Material, Dynamik und Zeitdauern jedoch offen lässt. Die Spieler sollen sich an vorgegebenen Stellen auf jeweils definierte Weise zu gespieltem Material verhalten, aber auch immer wieder selbst gewähltes neues Material setzen. Gewohnte Reaktionsmuster können so aufgebrochen und eine in größeren Improvisationsgruppen in dieser Klarheit nicht so selbstverständliche Mehrstimmigkeit erzeugt werden.