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Hermann Nitsch

Donnerstag 22. März 22.00 Uhr

1938 in Wien geboren, ist Mitbegründer des Wiener Aktionismus und gilt als einer seiner wichtigsten Vertreter. Nitsch absolvierte die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und wandte sich anschließend vornehmlich der Malerei zu, bis er 1957 erstmals die Idee des Orgien Mysterien Theaters (OMT) formulierte. Dieses Projekt eines Gesamtkunstwerkes aus Aktion, Zeremonie, Malerei, Architektur und Musik sollte von da an im Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeiten stehen. Ausgehend von griechischen Mysterienfesten, aufgeladen mit christlichen und heidnischen Symbolen und gemischt mit selbst erfundenen Schöpfungsmythen, Geistesekstase im Sinne Nietzsches und Freudscher Psychoanalyse werden im OMT nicht nur Handlungen dargestellt, sondern unter Inanspruchnahme aller fünf Sinne real vollzogen. Es verschwindet die Grenze zwischen Akteur und Zuschauer: Alle Beteiligten sollen zu einer existenziellen Erfahrung gelangen und das menschliche Dasein in seiner Gesamtheit – von tiefem Schmerz bis zu extatischer Freude – zelebrieren. Insbesondere die Passion Christi, die für Nitsch das „Drama schlechthin“ darstellt, erhält dabei durch blutig inszenierte Kreuzigungen eine besondere Bedeutung. Durch die Kombination dieses liturgischen Elements mit Opferritualen, bei denen Tiere geschlachtet werden, hat Nitsch sowohl Tierschützer als auch Theologen und staatliche Organe gegen sich aufgebracht. Er wurde in früheren Jahren mehrfach inhaftiert und bis heute gehören Mord- und Bombendrohungen zu seinem Leben. Hermann Nitsch hat über 120 Aktionen in Europa und den USA realisiert, wobei die meisten auf dem Gelände des von ihm 1971 erworbenen Schloss Prinzendorf stattfanden. Das 1998 durchgeführte 6-Tage-Spiel gilt dabei als Höhepunkt seines Lebenswerkes. Nitsch ist außerdem Maler, Bühnenbilder und Komponist. Seit den 60er Jahren hat er Konzerte und Ausstellungen in zahlreichen Städten Europas, der USA und Australiens. 1995 entwarf er das Bühnenbild der in der Wiener Staatsoper aufgeführten Oper Hérodiade von Jules Massenet.1

All diese Tätigkeiten sind trotz ihres autonomen Charakters nicht vom OMT zu trennen: Sie sind vorbereitende und weiterentwickelnde Handlungen und scheinen samt den mit ihnen gemachten Erfahrungen und Entdeckungen in die nächste Aktion einfließen zu wollen. Unter diesem Duktus ist Nitschs Gesamtwerk zu sehen. Trotz der polarisierenden Wirkung seiner Kunst ist Hermann Nitsch längst etabliert. So hat er 2005 den Österreichischen Staatspreis erhalten und konnte im selben Jahr im Wiener Burgtheater seine 122. Aktion durchführen. In der im Januar diesen Jahres zu Ende gegangenen Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau waren rund 300 Exponate und Dokumente des OMTs – sinnlich erfahrbar – zu sehen.

| www.nitsch.org

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