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Geist ist geil – von der Erotik des Geldes im Kultursponsoring

Hähnchenspieße in Honigsauce

„Dogmen des Geldes“ – eine Debatte über die öffentliche Finanzierung des Theaters gerät zur Irrfahrt zwischen Zahlen und Prozenten

Auf dem Programm standen Hähnchenspieße in Honigsauce, gefüllte Florentinerschiffchen oder Crème brûlée von der Kokosnuß. Dazu ein leichter trockener Weißwein, natürlich auch Bier vom Faß. Ach ja, davor gab es noch zwei Intendanten, einen Industrievertreter, einen Finanzsenator und eine hochrangige Dame der Kulturstiftung des Bundes. Dazu einen Moderator, medienwirksam angerichtet auf dem Präsentierteller der exklusiven BMW-Niederlassung am Kurfürstendamm.

Dieses erlesene Menue beschreibt nichts anderes, als das zweite Diskussionsforum des Theatertreffens, das unter dem Thema „Dogmen des Geldes“ stand. Konsequent wurde das Festivalmotto „Konzil“ umgesetzt: Als geschlossene Veranstaltung, auf der man sich nach aufgefordertem Vorzeigen der Einladung aller Genüsse des gehobenen Services erfreuen konnte. Das war sehr nett von BMW. Die Mehrheit der Kulturschaffenden hat sowieso kein Geld, über das sie reden könnte.

Es ging also um die öffentliche Finanzierung des Theaters. Bezeichnenderweise im funkelnden Dekor des privaten Großsponsors, zwischen Limousinen und neuesten technischen Features der Nobelmarke. Zum Beispiel „Night Vision“, womit „das Fahren im Dunkeln komfortabler und sicherer“ wird. Treffender könnte man den Abend nicht beschrieben. Eine komfortable Nachtfahrt durch Zahlen und Prozente unter sicherer Umgehung inhaltlicher Fragen. Wilfried Schulz, der Intendant des schauspielhannover, versuchte vergeblich, einen unpolemischen Dialog über die Selbstverständigung des Theaters anzuregen und beklagte, dass selbst wohlwollende Politiker hilflos seien im Verteilungskampf der Gelder. In ebendiesem Kampf blieb die Debatte stecken. Statt alternative Modelle zu diskutieren oder nach Abhängigkeiten und Rechtfertigungszwang des Theaters zu fragen, blieb es beim Prioritätengerangel um Haushaltsposten.

Der Rahmen gab letztendlich die Antwort, die die Diskutanten schuldig blieben. Wohin bewegt sich ein Theater, das durch staatliche Förderung groß geworden ist, und nun am versiegenden Tropf der öffentlichen Haushalte um seine Existenz kämpft? Unvermeidlich zu alternativen Finanzierungsmodellen wie Kooperationen mit privaten Geldgebern. Bleibt zu hoffen, dass ein undogmatischer öffentlicher Diskurs mehr Licht ins Dunkel bringt.

Nico Schrader

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