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Der Körper erinnert…

Zum Programm von spielzeiteuropa 05 | 06

spielzeiteuropa geht ins zweite Jahr und stellt elf Produktionen aus acht europäischen Ländern vor, dazu die radikale Neufassung eines traditionellen Kabuki-Geisterdramas durch den Schweizer Regisseur Jossi Wieler, in Tokio mit japanischen Schauspielern uraufgeführt und im Dezember als europäische Erstaufführung in Berlin präsentiert. Allen zwölf Produktionen ist eines gemeinsam: Sie sind unverwechselbare Zeugnisse einer persönlichen Handschrift ihrer „Autoren-Regisseure“, die ihre Erzählung – Autorenfilmern vergleichbar – mit den Mitteln der Sprache, der Bewegung, der Musik und des Raums auf die Bühne bringen.

Den Ukrainer Andriy Zholdak quälen, wie seinerzeit Kantor, Bilder, kurzzeitig erstarrte szenische Momentaufnahmen, die er in schier endloser Folge auf der Bühne abrollen lässt. Der französische Altmeister Claude Régy geht wie Jossi Wieler mit seinem Blick unter die Haut seiner Akteure und implantiert in der Innenwelt seiner Figuren die harte Realität der Außenwelt. Wunderbar leicht und ironisch spielt der Brite Simon McBurney auf der Klaviatur der mimischen und szenischen Fähigkeiten seiner Schauspieler; im Gegensatz dazu richtet Lloyd Newson in den Arbeiten des DV8 Physical Theatre das Augenmerk auf die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers, und William Forsythe erforscht die Balance zwischen Körper und Intellekt.

spielzeiteuropa 05 | 06 setzt fort, was im letzten Jahr begonnen wurde: die theatralische Recherche der Theaterhandschrift, die sich nicht scheut, über persönliche Erfahrungen Mitteilung zu machen. Im Zentrum steht die Fokussierung auf zwei Dinge: den menschlichen Körper und die Erinnerung. Der Körper erinnert Dinge anders als der Geist. Manchmal unbeachtet, oft unmittelbarer als das Hirn. Mit einem Projekt, das Erinnerung zum Hauptthema macht, eröffnen wir Anfang November die Wintersaison in unserem Haus: mit Guy Cassiers’ vierteiliger Theater-Recherche nach Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Zwölf Regieautoren und -autorinnen sind auf ihrer Suche – und in diesem Winter in Berlin – angekommen.

Markus Luchsinger
Künstlerischer Leiter der spielzeiteuropa

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