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Le Savali: Berlin

Uraufführung

Konzept, Bühne, Choreographie, Regie, Sounddesign und musikalische Leitung Lemi Ponifasio
Licht Helen Todd
Komposition Fabrizio Cassol

Mit MAU [Samoa, Neuseeland, Kiribati]
in Zusammenarbeit mit Darstellern, Tänzern, Musikern und einem Chor aus Berlin

BERLIN
Performer: Liza Alpizar Aguillar, Vincent Bozek, Gabriel Castillo, Esteban Castro, Ana Kavalis, Soraya Miroud, Yalda Moinzadeh, Ming Poon, Julia Asuka Riedel, Angelo Rygielski, Maya Zapata
Bulgarian Voices Berlin: Boryana Cerreti-Velichkova [Chorleitung]
Kerstin Dambeck, Annette Isenbart, Andrea Pohler, Ulrike Reichhoff, Petra Stawowczyk, Ani Stoyanova, Katya Tasheva, Margarita Todorova-Jabarski, Tsvetelina Yonova-Karbe, Weronika Zmiejewski
Musiker: Xell [Oboe/Gaida], Simon Jakob Drees [Violine]
Vladimir Karparov [Saxophon], Silke Lange [Akkordeon]
Yann Metzmacher [Violine], Horst Nonnenmacher [Kontrabass]
Levent Yildirim [Perkussion]

MAU
Ioane Papalii, Teataki Tamango, Rosie Belvie, Charles Koroneho, Arikitau Tentau, Kelemete Fu’a, Maereke Teteka, Gerard Tatireta, Tupua Tigafua, Kasina Campbell, Tiui Elisara, Helmi Prasetyo (Teater Ruang), Courtney Meredith, Sam Hamilton, Sani Muliaumaseali’i

Auftragsproduktion spielzeit’europa | Berliner Festspiele
Mit Unterstützung von ENPARTS – European Network of Performing Arts / Biennale di Venezia im Rahmen des Kulturprogramms der Europäischen Kommission

»Le Savali concerns the city as site of the between of life and death, or the city as site of transformation, mutability, unstable thresholds of identity, populations or governance.

Le Savali opens the past and future of the city, the city as partition between spaces for living and memorials or tombs of the dead. It is an occasion for drawing out and drawing over contemporary political, social and cultural conditions of empire and the city.«

Lemi Ponifasio

»Le Savali« ist das samoanische Wort für eine Reise, um eine vielstimmige Botschaft, ein gemeinsames Anliegen und Dazugehörigkeit zu behaupten. Le Savali: Berlin ist Theater als Zeremonie und Ritual, das die Gemeinschaften mit ihren Erfahrungen in dieser Stadt konfrontiert. Lemi Ponifasio, international renommierter Künstler und Choreograf, stammt aus Samoa, seine Company MAU ist eine Gruppe von Künstlern, gebürtig von den unterschiedlichsten Inseln des Südpazifiks und aus Neuseeland.
Die multikulturelle Großstadt Berlin ist das Thema dieser neuen Kreation von Lemi Ponifasio. MAU wird gemeinsam mit Performern, Tänzern, einem bulgarischen Chor und Musikern aus Berlin, zum Teil mit Migrationshintergrund, als neue Gemeinschaft die Welt als Gegenwart dieser Stadt erzählen. Le Savali: Berlin ist eine öffentliche Deklaration, dass Würde und menschliches Handeln nicht durch Intoleranz und unsichtbare Regeln eingeschränkt werden dürfen.
Als Auftragsarbeit von spielzeit’europa ist diese Produktion auch eine erste Zusammenarbeit des Choreografen Lemi Ponifasio mit Fabrizio Cassol, bekannt als Musiker und Komponist der Theaterarbeiten von Alain Platel, und mit Live-Musikern.
Der pazifische Raum umfasst 35 Prozent der Erdoberfläche, es werden über zwanzigtausend verschiedene Sprachen gesprochen, und der Künstler gilt als Prophet, als Botschafter, als ein Reisender (Le Savali) mit Wissen und Erfahrung. Künstler sind vor allem auch diejenigen, die soziale Verantwortung tragen, eine gesellschaftliche Vision schaffen und von der Gemeinschaft hierfür besonders respektiert werden.
Le Savali: Berlin ist eine einzigartige Begegnung von Künstlern und Gemeinschaften, ein Abbild der Gegenwart von Berlin – Theater, das die Welt öffnet als einen Ort, der alle willkommen heißt.

Besucherstimmen

I loved Ponifasio’s piece. I found it sublime, of an overwhelming poetry and profoundly touching. It was an incredible experience.
Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola, Sasha Waltz Company

Das Rilke Gedicht vom Panther, eingangs eher beiläufig zitiert, setzt das Thema und die Atmosphäre des Stückes: »tausend Stäbe und hinter tausend Stäben keine Welt«. Irritierend lange ist man dem geschlossenen Eisernen Vorhang ausgesetzt und fühlt sich mehr und mehr zum Gefangenen werden. Leicht und angenehm hat es einem Lemi Ponifasio wahrlich nicht gemacht: zermürbend und unausweichlich langsam bewegen sich archetypische Gestalten durch ein exquisit beleuchtetes, doch stets im Dämmer verharrendes Bühnenbild und man fühlt sich mehr und mehr zu einem Teil dieses Schau- und Hörstückes über die Gewalt des Menschen über den Menschen und auch gegen sich selbst werden, ja, entdeckt diese Bilder als dunkle, tiefe Kräfte in sich selbst. Ob man das haben möchte? Manch einer ging lieber. Die Bilder sind stark und komplex, sie wirken sofort und wirken nach.
Lemi Ponifasio bietet keine Hoffnung, keinen Ausweg. Es bleibt fast das ganze Stück im schwarz/weißen Zwielicht, nur kurz tauchen einmal Rot und Blau auf. Doch zum Schluss erscheint die Gemeinschaft aller Mitwirkenden als Teil des Stückes. Sie haben uns diese Saga von Gewalt, Unterdrückung, Unterwerfung, Hingabe und Teilhabe als ein Ritual dargebracht: Fand es in der Morgendämmerung statt und wir gehen in unseren Tag und verbleiben in diesem Spiel, oder war es die Abenddämmerung und wir haben es noch einmal in oft quälender Langsamkeit und Deutlichkeit gesehen, um es am Tag darauf hinter uns zu lassen? Den »betäubten großen Willen« zu finden, wie es im Rilke Gedicht heißt?
Ein sehr intensives, in seiner Ästhetik sehr berührendes, ja, auch begeisterndes Stück und eine sehr mutige Auftaktveranstaltung für die diesjährige Spielzeit! Veränderbare Welten? Nicht ohne Konfrontation mit dem, was Angst macht.
Ulla Ashika Haug