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Pressestimmen Tage unter [Dager under]

Vorstellungen bei spielzeit’europa 11|12: 17. bis 18. Dezember 2011

Nachtkritik.de; Simone Kaempf, 17. Dezember 2011

Der Bunker wird bei Lygre zur Metapher für die Welt mit ihrer Dialektik von Freiheit und Abhängigkeit, Sicherheit und Unsicherheit, Einsamkeit und Gemeinsamkeit. (…) Das alles hat bei Lygre eine diskursive Aufladung, ist auch raffiniert konstruiert. Man kann sich diesen Text atmosphärisch aufgeladen vorstellen, aber darauf zielt Regisseur Braunschweig gar nicht ab. Die Lockerheit des Anfangs wechselt mal in eine Farce, dann in den Tragödienton. (…) Getragen wird der Abend von der Performance Udo Samels. Er verkörpert den Mann, der behauptet, aus Weltverbesserungsmotiven zu entführen, und Samel spielt das mit einer mächtigen Präsenz und einem Kraftfeld um sich herum, das höchst spürbar macht, wie seine Opfer seinen Ideen verfallen.(…)

Eberhard Spreng, Deutschlandradio Kultur, 17. Dezember 2011

Regisseur Stéphane Braunschweig inszeniert im Haus der Berliner Festspiele Arne Lygres „Tage unter“
Ein Mann sperrt junge Frauen monatelang in einen Kellerbunker, die Frauen leiden danach unter totalem Selbstverlust: Arne Lygres „Tage unter“ ist ein fatalistisches Planspiel, in dem es keine Dynamik und Kreatürlichkeit geben kann. (…)
In für das Theater des französischen Regisseurs üblicher Kargheit erschließen sich deutlich die Sprachebenen des norwegischen Autors: das Psychologische, das Surreale, das Parabolische einer Figurenkonstellation, in der jeder Akteur für kurze Momente neben sich treten kann und in der dritten Person über sich spricht. „Hyperrepliken“ nennt dies Arne Lygre. In seinem Lehrstück findet die schwer erträgliche Gewalt also nur auf der Sprachebene statt.
Es ist dies auch ein Theater der Entindividuierung, denn die Strukturen der Gewalt setzen sich unverändert fort, nachdem der die Spielregeln bestimmende „Besitzer“ gestorben ist. Ein wenig ist Lygres lakonischer Blick auf Zwänge und Herrschaftsstrukturen ein fatalistisches Planspiel, in dem es keine Dynamik, Entwicklung, Kreatürlichkeit geben kann. Die Zerstörung seiner Figuren ist vollendet und bedarf der äußeren Anstöße, der äußeren Welt nicht mehr.


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