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SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Hans Zender [*1936]
Logos Fragmente [Canto IX)]
für 32 Singstimmen und 4 Orchestergruppen [2006-10]

u.a. nach Texten aus dem Johannes-Evangelium, von Valentinus, aus dem Thomas-Evangelium und aus der hebräischen Spruchsammlung Pirqe Abot

Fragment II: Aus dem Pirqe Abot: Passion (englisch)
Fragment III: Johannes 10, 17–18: Warum (deutsch)
Fragment V: Psalm des Valentinos: Valentinos (deutsch)
Fragment VIII: Johannes 20, 11–18: Magdalena (deutsch)
Fragment I: Johannes, 1,1–16: Im Anfang (griechisch–deutsch)
Fragment VII: Johannes 14, 5–9: Weg (deutsch)
Fragment IV: Johannes 15, 1–6: Weinstock (deutsch)
Fragment VI: Aus dem Thomas-Evangelium (deutsch)
Fragment IX: Apostel 2, 2-4 | Tanzlied aus den Acta Johannis: Geist (deutsch, lateinisch)

URAUFFÜHRUNG des Gesamtzyklus
URAUFFÜHRUNG von Fragment II, III und IX
Fragment II, III und IX sind Kompositionsaufträge des musikfest berlin | Berliner Festspiele und des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
SWR Vokalensemble Stuttgart | Celso Antunes Einstudierung
Emilio Pomárico Leitung

Ein hochgeschätzter Komponist, Dirigent, Hochschullehrer, Essayist: Wesenszüge von Hans Zender sind seine Neugier und sein offenes Denken. In seiner Musik findet er immer neue Fragestellungen, hinterfragt die Bauelemente des Kunstwerks, seziert und analysiert die Gesetzmäßigkeiten von Kunst und deren Wahrnehmung.
Für die Werkfolge Logos Fragmente für gemischten Chor und großes Orchester hat Hans Zender religiöse Texte verschiedener Autoren jüdisch-christlicher Tradition aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung herangezogen. Diese alten Texte beeindrucken durch die starken Bilder ihrer rituellen Sprache. »Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der die Sprache und die technischen Medien ein sehr starkes Gewicht haben. Wir vergessen darüber leicht das Metaphorische und ganz und gar die Ebene des Magischen oder Kultischen«, hat Hans Zender einmal in einem Interview gesagt. Er sieht in der Kunst vor allem auch die Aufgabe, der sich als fatal erweisenden Fortschrittsgläubigkeit Werte aus lange vergangenen Kulturen gegenüberzustellen. Nur so bleibe unsere heutige Gesellschaft überlebensfähig, ist Zender überzeugt: »(…) Kunst – nicht umsonst ist Mnemosyne die Mutter der Musen – ist im gleichen Moment in die Zukunft eilender utopischer Entwurf und Erinnerung an das Uralte.«

In Logos Fragmente untersucht Hans Zender das Wesen der Vokalmusik, das Verhältnis zwischen Wort und Ton. Und er fragt nach der Einheit eines Kunstwerks, hinterfragt Autorschaft und letztlich den seit dem Geniekult der Romantik stark betonten Status des Urhebers von Kunst. Jedes der neun Logos Fragmente hat eine unterschiedliche Faktur. Inneren Zusammenhalt gewährleisten neben der gleichen Besetzung eine atemberaubend komplexe mikrotonale Harmonik und rhythmische Prinzipien, die konsequent auf alle neun Fragmente angewendet werden, um als überindividuelle Gesetzmäßigkeiten die »Willkür des komponierenden Subjekts“ (Zender) eindämmen.

»Vielleicht beginnt diese Gesellschaft zu spüren, dass es (…) einer bewussten und neu einübenden Hinwendung zu den Kräften der Konzentration und Betrachtung bedarf, um wieder ins Lot zu kommen; so sucht sie auch nach Musik, die derartiges anregt und vermittelt«, hat Hans Zender vor einigen Jahren in einem Aufsatz geschrieben. Mit Logos Fragmente verfolgt er sein Ziel weiter, neue, intensive Erfahrungen anzubieten, die beim Hörer etwas bewegen und im besten Fall zu „Happy New Ears“ führen, wie der Titel einer Essaysammlung von Hans Zender lautet.

Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg verbindet eine lange Zusammenarbeit mit Hans Zender. Die einzelnen Fragmente entstanden zudem in enger Zusammenarbeit mit dem SWR Vokalensemble Stuttgart. Beim Musikfest Berlin werden erstmals alle Logos Fragmente gespielt.