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| Die Preisträger 2011
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Die Laudationes für die Preisträger

Förderpreis für neue Dramatik an Juri Sternburg

Juri Sternburgs Stück „der penner ist jetzt schon wieder woanders“ überzeugt mit seinen direkten, lebendigen und genauen Figurenzeichnungen und den schnellen Dialogen, die das Berliner U-Bahnleben mit satirischem Scharfsinn in den Blick nehmen. Dabei ist es fast ebenso philosophisch wie unmoralisch und damit eine Herausforderung an das Theater.

Der makabere Bruch ist von vornherein anhand drastischer Gewaltschilderungen und plötzlicher irrealer Einschübe eingeschrieben, wenn die beiden Hauptprotagonisten ihre Mitfahrer brutal ermorden und dabei selbst vor Gott nicht Halt machen.

Mit feinem Gespür für die Balance zwischen realistischer Figurenzeichnung und grotesker Überspitzung entspinnt sich so eine mörderische Stationengeschichte durch den Berliner Untergrund, die Raum zur weiteren Assoziation lässt und damit bohrende Fragen nach unserer sozialen und moralischen Verfasstheit stellt.

Jens Groß, designierter Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin

Werkauftrag des tt Stückemarkts 2011 an Anne Lepper

Beim Lesen von Anne Leppers Stück „Hund wohin gehen wir“ fällt zuerst ihre Sprache auf. Äußerst knapp und mit großer Kraft schiebt diese ihre in Minikapitel unterteilten Stücke voran. Eine Sprache, die sich auseinandersetzt mit sich selbst und von einer nüchternen, spröden Schönheit ist. Sie ringt um die Gegenstände ihrer Beschreibung und ist dabei stets bemüht, sich nicht vor das eigentliche Geschehen zu drängen. Bei Anne Lepper ist Sprache tatsächlich Kunst.

Mit dieser Kunst schafft Anne Lepper es, psychologische Situationen auf das Genaueste zu beschreiben, ohne dabei jemals einen Ausstattungsgegenstand benennen zu müssen. Ihre Dialoge beklemmen, weil sie das Unausgesprochene zwischen ihren Figuren hörbar machen. Die dabei entstehenden Spannungen sind schon als Leseerlebnis geradezu körperlich fühlbar.

Hinzu kommt etwas, von dem ich nicht weiß, ob ich einen jungen Menschen dafür loben soll: die Trost- und Ausweglosigkeit der Grundsituation. Das ergreift vom ersten Moment an. Ich weiß nicht, ob leider oder glücklicherweise – aber auch die Hintergründe dieser Gesamtsituation werden nie ausgesprochen. Man hofft bis zur letzten Seite auf eine Erklärung, auf die Möglichkeit, das Monströse, das Lauernde des Stückes einordnen zu können und wird – natürlich – nicht erlöst. Das ist verstörend, aber sehr spannend.

In „Hund wohin gehen wir“ sprechen zumeist Unterdrückte, manchmal ihre Unterdrücker. Man fühlt: es geht um Macht und Gerechtigkeit, ohne dass das jemals verbal thematisiert werden müsste. Ihr Stück ist mehr als eine Talentprobe und macht Lust, ihre Stücke auf der Bühne zu sehen. Ich freue mich sehr auf ihre Arbeit für das Schauspiel Hannover.

Lars-Ole Walburg, Intendant Schauspiel Hannover

Theatertext als Hörspiel an Mario Salazar

Mein Stück ist als Hörspielstoff eine Herausforderung. Aber das Personal ist sprachstark und beinhart. So bunt wie hier soll es auch im Radio sein. Dieses Stück hat trockenen Humor und direkte aber doch seltsam daneben liegende Bemerkungen. Und die Nüchternheit, mit der die Figuren alle möglichen Katastrophen ertragen, ist bemerkenswert.

Arbeitslos seit einem Jahr? Anarchisten auf der Straße proben Revolution? Post vom Gerichtsvollzieher? Mutter Iris kontert mit einem Masterplan zum Geldverdienen, der banaler und brutaler nicht sein könnte - und doch ist die Atmosphäre dabei irgendwie grotesk und eher heiter als dramatisch.

Es ist aber nicht nur ein Stück „auf dem Sofa“ über das laute Familienleben der trudelnden Neumanns - ganz nebenbei treibt der Autor ein wirbelndes Spiel mit Versatzstücken politischer Systeme: Sozialismus wird von den Alten verteidigt, Kapitalismus von der nächsten Generation bejaht und von den Jüngsten in den Extremen gelebt.

Kein Zweifel: Mein Stück heißt „Alles Gold was glänzt“ und ich freue mich, es im Radio zu haben. Aber ich wünsche mir auch, dass es seinen Weg auf die Bühne findet! Theater und Radio, wir können ja nebeneinander existieren!

Stefanie Hoster, Leiterin der Abteilung Hörspiel, Deutschlandradio Kultur

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