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Stückemarkt IV

der penner ist jetzt schon wieder woanders
von Juri Sternburg (*1983, Berlin)

Szenische Einrichtung David Bösch
Dramaturgie John von Düffel
Ausstattung Nora Johanna Gromer
Es lesen Mirco Kreibich, Jörg Pohl und Michael Schweighöfer

Ein Road-Movie in den Katakomben der Berliner U-Bahn. Zwei Männer unbestimmten Alters sind auf einer ungeheuerlich düsteren und für alle, die ihnen begegnen, tödlichen Sinnsuche. Grund der Fahrt ist die Suche nach ihrem Dealer, aber „der Penner ist jetzt schon wieder woanders“.
Die Personen, die ihnen begegnen, werden erbarmungslos durch Andrej und Igor gespiegelt, deren Sicht auf Mensch und Welt das Maß aller Dinge ist und ihnen das Recht gibt zu töten. Sterben müssen ein Verleger, ein Graffitisprüher, eine Rentnerin, ein Touristenpärchen, das drei Kinder hinterlassen wird, ein Polizist, dessen Erscheinen von Andrej und Igor als Vorbote von etwas Größerem begriffen wird.
Und dann sitzt da zwischen all den Leichen auf einmal Gott und liest Conan Doyle. Er zeigt den beiden die Zukunft, in der ein Generationenkrieg entbrannt ist und Afrika „unbewaffnet aber geschlossen“ auf Europa marschieren wird, und sagt die richtigen Lottozahlen voraus. Kurz vor Bahnhof Friedrichstraße wird Gott von Igor getötet. Wir hören die Durchsage: „Reisende in die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik Ausstieg links. Dieser Zug endet hier.“
Verwirrung nicht nur bei Igor und Andrej, auch beim Leser. Wie Juri Sternburg diese dann auflöst, sei noch nicht verraten. Der Dealer ist nicht aufgetaucht, die Leiche von Gott ist ebenfalls verschwunden, und man fragt sich, ob beide nicht doch ein und derselbe sind.
Barbara Mundel

Juri Sternburg, 1983 in Berlin geboren, beschäftigt sich seit 1998 mit Graffiti und Street Art. Er absolvierte Bühnenbildhospitanzen und -praktika u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin und am Deutschen Theater in Almaty, Kasachstan. 2007 entstand sein erstes Stück „6 quadratmeter Chrom“ als Auftragswerk des Berliner Trockenschwimmer-Festivals. Unter der Regie von Christian Vilmar kam das Stück im Stadtbad Oderberger Straße zur Uraufführung. Seit 2007 schreibt Juri Sternburg regelmäßig Kolumnen und Artikel für den Kulturteil der taz. Sein erstes Hörspiel „Türsteher“ (Co-Autorin Frauke Schmidt) wurde im März 2010 im SWR urgesendet. Mit seinem Theaterstück „der penner ist jetzt schon wieder woanders“ wurde er 2010 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Juri Sternburg lebt in Berlin.