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MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik

18. bis 27. März 2011


KLANG BILD BEWEGUNG

MUSIK MIT FILM · VIDEO · VISUALS · LICHT

KAMMERMUSIK · RECITALS · SONIC ARTS LOUNGE

QUERKLANG: SCHÜLER KOMPONIEREN

MaerzMusik legt 2011 den Schwerpunkt auf Hören und Sehen, auf die Verbindung von bewegten Klängen und bewegten Bildern.

Nicht erst seit der Entwicklung neuer, insbesondere digitaler Technologien gibt es mannigfaltige Ansätze, um Musik, Bilder, Bewegung und Licht miteinander zu verknüpfen und integral zu steuern. Die Auflösung der Grenzen zwischen den Kunstsparten und die intermediale Durchdringung akustischer und visueller Dimensionen war ein wesentliches Anliegen der Avantgarden des 20. Jahrhunderts, wurzelnd in den visionären Vorstellungen des „Gesamtkunstwerks“ bei Richard Wagner oder den synästhetischen Phantasien bei Alexander Skrjabin und Nachfolgern. Am Anfang des 21. Jahrhunderts sind raffinierte technische Mittel zur Bearbeitung audio-visuellen Materials allgegenwärtig und leicht verfügbar. In der fast unbegrenzten Erweiterung gestalterischer Möglichkeiten stecken faszinierende Potentiale, aber auch Gefahren eines recht beliebigen, vorgestanzten und bloß effekthaschenden audio-visuellen Designs. MaerzMusik 2011 stellt sich diesem kontroversen Diskurs. Das Festival präsentiert exemplarische und mutige Projekte aus jüngster Zeit – mit neuer Musik zu alten Filmen, musikalischer Videokunst und experimentellen Performance Installationen.

In der Sputnik-Ästhetik des MOSKAU eröffnet das Festival mit einer auf den Ort zugeschnittenen Fassung von Rebecca Saunders’ Chroma. Nicht nur die Musiker wechseln stetig ihre Spielpositionen, auch der einzelne Besucher erwandert sich individuell das Werk. Im Night Club des MOSKAU setzt Michael Vorfeld mit Light Bulb Music der Glühlampe ein klingend leuchtendes Denkmal.

Neue Musik zu alten Filmen: Vier Klassiker der Stummfilm-Ära erfahren durch Musik aus jüngster Zeit eine frische Beleuchtung. Das Ensemble Modern begleitet Fritz Langs Metropolis mit Musik von Martin Matalon, die der argentinische Komponist an die umjubelte restaurierte Fassung von 2010 angepasst hat. Misato Mochizuki unterlegt das tragische proto-feministische Drama Taki no shirato von Kenji Mizoguchi mit subtiler, vielschichtiger Musik. Die Musiker um den Gitarristen Gary Lucas und den Komponisten Reza Namavar spielen feinnervig und pulsierend zum monumentalen Filmepos J’accuse von Abel Gance über die Liebe in den Zeiten des 1. Weltkriegs. Zuletzt ist Ein Sechstel der Erde des russischen Film-Revolutionärs Dziga Vertov mit Musik von Michael Nyman zu erleben.

Diverse Produktionen bewegen sich im Feld von szenischem Konzert, Konzertinstallation und intermedialer Musikperformance. Ensemble ascolta performt Werke der Irin Jennifer Walshe, der frisch gekürten spanischen Nationalpreisträgerin Elena Mendoza und eine Uraufführung der Taiwanesin Pei-Yu Shi. Aus Finnland kommen Monodramas von Perttu Haapanen und Lotta Wennäkoski, von der litauischen Komponistin Justė Janulytė stammt die Musik zur strudelnden Bühnenskulptur Sandglasses. Rotation spielt auch eine Rolle bei Tables Are Turned von Bernhard Lang mit Alter Ego aus Rom und dem britischen „Turntablisten“ Philip Jeck. Ein „Zoo“ von über 200 Instrumenten wird in Tiere sitzen nicht von Enno Poppe und Wolfgang Heiniger gezeigt – Instrumente, die heute leicht einlösen können, was vor 100 Jahren als futuristische Vision hinter der Erfindung der Intonarumori stand. Luciano Chessa hat 16 dieser Geräuscherzeuger rekonstruiert und viele neue Kompositionen u. a. von Blixa Bargeld und Mike Patton schreiben lassen. Lillevan, Meister des Live-Video-Mixes, präsentiert mit Michael Wertmüller, Steamboat Switzerland und courage aus Dresden Licht – Zeiten im riesigen TRAFO Kraftwerk Mitte, wo bei den Sonic Arts Lounges auch audio-visuelle Performances von alva noto aka Carsten Nicolai und Ryoji Ikeda zu erleben sind. Im Berghain zeigen Shintaro Imai und Yutaka Makino neueste Performance Installationen. Der Komponist und Saxophonist Christoph Gallio und der Photo-Video-Künstler Beat Streuli schlagen Brücken zwischen musikalischen Verläufen und Bildprojektionen.

Die Fülle an intermedialen und interdisziplinären Aufführungen wird ergänzt durch kammermusikalische Recitals. Ihr Berlin-Debüt geben der amerikanisch-japanische Komponist Ken Ueno, der junge niederländische Pianist Ralph van Raat und das 20-köpfige Ensemble Alarm Will Sound aus New York. Das Diotima Quartett ist erneut bei MaerzMusik zu Gast, ebenso wie das Trio Accanto mit seiner Hommage zum 75. Geburtstag von Helmut Lachenmann. Die mitternächtliche Reihe „Filme hören“ im Babylon Mitte konzentriert sich auf die Tonspuren bedeutender und berühmter Filme, deren Wirkung wesentlich auf ihrer Klanglichkeit beruht. Der assoziierte „Musik – Film – Marathon“ von Take Off Productions ergänzt im Anschluss trefflich das Leitthema von MaerzMusik 2011.

10 Jahre MaerzMusik – Seien Sie herzlich willkommen zu Abenteuern, Genüssen und Herausforderungen für Augen und Ohren.

Matthias Osterwold

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