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Kevin Volans

Sa 11. September 2010 | 20:00

Kevin Volans (* 26. Juli 1949) ist ein Wanderer zwischen musikalischen Welten, der in seinem Schaffen Einflüsse afrikanischer Volksmusik mit westlicher Kunstmusik vereint. Kevin Volans stammt aus Südafrika und studierte Musik an der Universität von Johannesburg. Sein kultureller Hintergrund und seine musikalische Ausbildung waren dennoch so gut wie ausschließlich auf Europa ausgerichtet, afrikanischer Musik schenkte er keine Beachtung. So war es für Volans naheliegend, seine Studien in Europa weiterzuführen. Er ging deshalb zunächst für ein Jahr an die University of Aberdeen und dann, auf Anregung von Karlheinz Stockhausen, an die Kölner Musikhochschule. Von 1973 bis 1981 lebte Volans in Köln, studierte Komposition bei Stockhausen, der ihn mit einer Lehrassistenz betraute, sowie Musiktheater bei Maurizio Kagel und Klavier bei Aloys Kontarsky. In den späten 1970er Jahren lernte Volans Morton Feldman kennen, mit dem ihn eine intensive künstlerische Freundschaft verband.

Ein Auftrag des WDR brachte Kevin Volans dann wieder in Kontakt mit dem afrikanischen Kontinent. Er unternahm zwischen 1976 und 1979 vier Feldforschungsreisen, um für den Rundfunk verschiedene Richtungen afrikanischer Musik aufzuzeichnen. Die so vermittelte Begegnung mit authentischer afrikanischer Volksmusik war eine entscheidende Erfahrung für Volans, die in Werken wie Kwazulu Summer Landscape (1979) auch ihren ersten kompositorischen Niederschlag fand. Volans entschloss sich nun, Europa den Rücken zu kehren, und ließ sich 1981 in Südafrika nieder. Bald musste er aber feststellen, dass ihm das dortige Musikleben keine ausreichenden Bedingungen zu schöpferischer Entfaltung bieten konnte. Er kehrte also wieder nach Europa zurück und übernahm 1986 eine Dozentur an der Universität von Belfast. Seit 1995 besitzt Kevin Volans die irische Staatsbürgerschaft.

1986 begann auch die produktive Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Kronos Quartet, das Volans‘ 1. Streichquartett White Man Sleeps und weitere für das Ensemble komponierte Werke international auf Festivals und in Konzerten bekannt machte. Eine 1987 eingespielte CD des Kronos Quartets, die programmatisch mit dem Kopfsatz von White Man Sleeps beginnt, wurde zu einem nachgerade sensationellen weltweiten Erfolg, ebenso die Aufnahme des 2. Streichquartetts Hunting: Gathering aus dem Jahr 1991 und die Gesamteinspielung von White Man Sleeps von 1992. In diesen und anderen Werken der 80er Jahre experimentiert Volans mit Modellen, Melodien, Tonfällen und Rhythmen der afrikanischen Musik, die im fremden Kontext westlicher Musik erscheinen und den Werken Frische, Gewicht, Intensität und Individualität verleihen. In besonderer Weise von der afrikanischen Musik angeregt ist der Umgang mit Wiederholungsstrukturen, die den Hörer in einen kontinuierlichen Klangstrom eintauchen lassen und dabei die Erfahrung der gerichteten Zeit, in der Vorgänge und Entwicklungen ablaufen, außer Kraft setzen.

Kevin Volans ist als Komponist nicht bei dem Stil der für das Kronos Quartet geschriebenen Werke stehengeblieben, so groß deren Erfolg auch war. Seit 1990 hat er die offene Bezugnahme auf afrikanische Musik in seinen Werken fast vollständig vermieden. Der Gedanke der Aufhebung der musikalischen Zeiterfahrung, der nicht nur auf den Einfluss der afrikanischen Musik zurückzuführen ist, sondern ebenso in Konzepten vor allem der amerikanischen Avantgarde wurzelt, ist dagegen weiterhin virulent geblieben. Volans Musik hat sich seither in verschiedene Richtungen entwickelt und umfasst eher strukturell orientierte, einem abstrakten Ansatz folgende Kompositionen wie das Orchesterwerk One Hundred Frames und stärker nach außen gewandte Stücke wie das hoch virtuose, für Marc-Andre Hamelin geschriebene Klavierkonzert aus dem Jahr 2006, in dem sich Volans auf sehr persönliche Weise mit der Klaviermusik der Romantik auseinandersetzt. Ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens der letzten Jahre war die Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Jürgen Partenheimer. In diesem Jahr wird im Rahmen des Edinburgh Festivals das Orchesterwerk Symphony: Daar Kom die Alibama uraufgeführt.


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