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Onkel Wanja

Deutsches Theater Berlin
von Anton Tschechow
Deutsch von Angela Schanelec nach einer Übersetzung von Arina Nestieva

Regie Jürgen Gosch
Bühne und Kostüme Johannes Schütz
Licht Henning Streck
Maske Andreas Müller

Christian Grashof Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow, Professor im Ruhestand
Constanze Becker Jelena Andrejewna, seine junge Frau
Meike Droste Sofia Alexandrowna (Sonja), seine Tochter aus erster Ehe
Gudrun Ritter Maria Wassilijewna Woinizkaja, Mutter der ersten Frau des Professors
Ulrich Matthes Iwan Petrowitsch Woinizkij (Wanja), ihr Sohn
Jens Harzer Michail Lwowitsch Astrow, Arzt
Bernd Stempel Ilja Iljitsch Telegin, ehemaliger Gutsbesitzer
Christine Schorn Marina, eine alte Kinderfrau
Rahul Chakraborty Ein Arbeiter

Premiere 12. Januar 2008
Dauer 3h 30, eine Pause

Publikumsgespräch
Moderation Barbara Burckhardt
Do 8. Mai 23:00

In den letzten Jahren hat Jürgen Gosch seine Schauspieler in immer neue elementare Spiele verwickelt und fast aggressiv in die Nähe der Performance Art getrieben. Jetzt stellt er demonstrativ einen Samowar in den Mittelpunkt seines „Onkel Wanja“ – und erzählt das Stück ganz psychologisch-realistisch. Ein Anfall von einfühlender Tschechow-Nostalgie? Keineswegs. In dem mit frischer Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz, der das Geschehen abstrakt grundiert, blicken Regisseur und Ensemble hellwach und neugierig auf Figuren und Situationen, die sie so ernst nehmen wie sich selbst. „Wenn man kein wirkliches Leben hat, dann nimmt man eben die Illusion“: nach diesem Motto lebt Wanjas Familie samt Sommergästen. Jens Harzers Arzt trinkt und tänzelt über seine Trübsal hinweg, während Ulrich Matthes’ Wanja, dessen depressive Hellsichtigkeit den Abend begleitet wie ein dunkler Bass, am Ende echte Tränen vergießt. Auch die desillusionierte Professorengattin Elena (Constanze Becker), in die alle vernarrt sind, und die ungeliebte Zweckoptimistin Sonja (Meike Droste) bilden ein komplementäres Paar, in dem immer eine das hat, was der anderen zu ihrem Glück fehlt. Neben aller spielerischen Intensität und Komik wird so ein geheimer Bauplan des Menschseins sichtbar. Dazu passt auch die symmetrische Architektur des Abends: Das erste Bild fädelt sich ohne Hast in das Landleben hinein, das vierte fadet langsam aus, dazwischen offene Sinnfragen, hundstraurig verfehlte Lieben und komische Familienkatastrophen. In dreieinhalb Stunden das ganze Leben.