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Der Sturm

Münchner Kammerspiele
von William Shakespeare
Deutsch von Jens Roselt in einer Bearbeitung von Stefan Pucher

Regie Stefan Pucher
Bühne Barbara Ehnes
Kostüme Annabelle Witt
Licht Stephan Mariani
Musik Marcel Blatti
Video Chris Kondek
Dramaturgie Matthias Günther

Hildegard Schmahl Prospero, Herzog von Mailand
Wolfgang Pregler Ariel
Katharina Schubert Miranda, Tochter von Prospero
Oliver Mallison Ferdinand, Sohn von Alonso
Walter Hess Alonso, König von Neapel
Jörg Witte Sebastian, Alonsos Bruder
René Dumont Antonio, Prosperos Bruder
Peter Brombacher Gonzalo, Ratsherr
Thomas Schmauser Caliban
Stefan Merki Trinculo
Bernd Moss Stephano
Joy Maria Bai Iris
Annika Olbrich Ceres
Julia Schmelzle Juno

Premiere 8. November 2007
Dauer ca. 1h 50, keine Pause
– mit englischen Übertiteln –

Publikumsgespräch
Moderation Tobi Müller
Sa 3. Mai 21:45

Prospero hat ausgezaubert: Vor dem Hintergrund der heutigen Unterhaltungsindustrie wirken die magischen Fähigkeiten des einsamen Inselherrschers nur noch rührend. Schon der Schiffbruch, mit dem Shakespeares letztes Stück beginnt, ist bei Stefan Pucher das Making-of eines B-Movies. Dem humanistischen Pathos des geläuterten Prospero kann der Regisseur nicht glauben, schließlich ist unsere Weltsicht immer schon medial aufbereitet und codiert. Und so west der von Hildegard Schmahl gespielte Prospero als unerlöster Edel-Zombie aus dem Geist der Grafen Dracula und Monte Christo in einer Art postkolonialer Luxus-Lodge und lässt sich von seinen rebellischen Sklaven Caliban und Ariel bedienen. Die neapolitanischen Havaristen scheinen aus einem Mafia-Film zu stammen, die Liebenden Miranda und Ferdinand hingegen direkt der Yellow Press entsprungen. Und Trinculo und Stephano wandeln auf der skurrilen Spur der britischen Kunstexzentriker Gilbert & George und spielen eine ihrer Performances nach. Die Bühne besteht aus riesigen Buchseiten, die Pucher aufschlägt, als blättere er in Shakespeares Stück wie in einer bunten Pop-up-Fibel der schwarzen Pädagogik. Voller Skepsis und mit melancholisch grundierter Ironie gibt er den popkulturellen Märchenonkel, der uns die todtraurige Geschichte vom gescheiterten Prozess der Zivilisation erzählt und dabei gleichwohl eine autarke Bilderwelt erschafft. Eine so witzige wie wunde Robinsonade über die verpasste „Möglichkeit einer Insel“ (Houellebecq).