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Konzil tt06 – Ein Rückblick

Hinter der Überschrift „Konzil tt06“ verbarg sich beim Theatertreffen auch in diesem Jahr wieder ein meinungsreiches Treffen deutschsprachiger Theaterbühnen sowie des Fachpublikums aus der ganzen Welt. Und die Theater-Debattierrunden, die zeitgleich mit der Auswahl alljährlich einsetzen, konnten zumindest an einem Punkt zu einem glorreichen Abschluss gebracht werden: Die allgemein diskutierte Frage des so genannten „Ekeltheaters“ – eine der heißesten, vielleicht aber auch überflüssigsten Feuilleton-Debatten der vergangenen Jahre – wurde gleich zu Beginn in einer Gesprächsrunde geklärt. Zum Thema „Dogmen des alten Theaters: Oder die Rückeroberung der Wirklichkeit?“ gefiel sich der Spiegel-Kulturchef in der Rolle des Theaterbanausen, der sich nach Peter Steins „Sommernachtsgästen“ zurücksehnt, und Jürgen Gosch, Regisseur der Eröffnungsinszenierung des Theatertreffens „Macbeth“, verließ vor laufender TV-Kamera vorzeitig die Diskussion. Damit war zu diesem Thema alles gesagt und das „Ekeltheater“
als Diskussionsgegenstand erledigt.

Spannend blieb, wie die Aufführungen, die diesmal nicht aus den Metropolen Wien, Zürich, Hamburg nach Berlin anreisten, sondern aus Stuttgart, Hannover, Düsseldorf und Halle, beim überaus kritischen Berliner Publikum ankommen würden. Die Ergebnisse waren disparat: Äußerte sich die Berliner Presse gegenüber dem Stuttgarter „Platonow“ in der Regie von Karin Henkel distanziert mäkelig bis überaus miesepetrig, so bedankte sich das Publikum mit Standing Ovations beim Ensemble und dem Hauptdarsteller Felix Goeser (schließlich diesjähriger Gewinner des Alfred-Kerr-Darstellerpreises) und gab der Inszenierung damit den Stempel „Publikumsliebling“.
Leicht beim Publikum hatte es auch Goschs Düsseldorfer „Macbeth“, den viele als Vorreiter der „Ekeldebatte“ mit Spannung erwartet hatten. Beim Theatertreffen blieb der Skandal gänzlich aus. Stattdessen wurde die Inszenierung als ein Feuerwerk an Schauspiellust gefeiert.
Pressefavoriten hingegen waren „Wallenstein“ aus Mannheim/Weimar von Rimini Protokoll und das (politisch korrekte) Dokumentations-Stück „Der Kick“ von Andres Veiel und Gesine Schmidt über den Mord an einem Jugendlichen in Brandenburg, gemeinsam produziert vom Maxim Gorki Theater und Theater Basel. Für manche überraschend bekam am Ende „Altmeister“ Dimiter Gotscheff und sein „Iwanow“ von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz den 3sat-Preis für „besonders zukunftsweisende Leistungen des deutschen Schauspiels“ – mehr als verdient allerdings und von beachtlichen Honorationen und großem Presse-Echo begleitet. Ruhm und Glanz verlieh Andrea Breth dem Haus der Berliner Festspiele bei der Verleihung des begehrten Theaterpreises der Preußischen Seehandlung an die renommierte Regisseurin. Bemerkenswert war auch in diesem Jahr wieder, welch große internationale Resonanz das deutschsprachige Festival findet.

Beim Stückemarkt gab es – neben dem starken (Fach-) Publikumsinteresse – erfreulicherweise auch Neugier seitens der Presse auf die zu entdeckenden Autoren. Für drei der in szenischen Lesungen vorgestellten Stücke gibt es bereits Ur- und Erstaufführungen zu verkünden: Thomas Freyers „Amoklauf mein Kinderspiel“ wurde vor kurzem am Nationaltheater Weimar inszeniert, Thomas Melles „Licht frei Haus“ wird in der kommenden Spielzeit am Badischen Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt. Die deutschsprachige Erstaufführung von „Natural Selection“ von Paul Jenkins wird in der kommenden Spielzeit am Residenztheater München stattfinden. Die Erfahrung der letzten vier Jahre lässt weitere Aufführungen im Verlauf der kommenden Spielzeit erwarten.
Die Festivalzeitung, die der Berliner Zeitung beilag und bei fünf Ausgaben eine Millionen-Auflage erreichte, war eine Bereicherung des Presseblicks:
12 Kritiker und drei Fotografen begleiteten das Theatertreffen unabhängig, kritisch, Tag und Nacht, mit Einblick in den Programmreichtum, den das Festival über zwei Wochen zu bieten hatte.
Alle Veranstaltungen waren ausverkauft.

Iris Laufenberg
Leiterin des Theatertreffens
Berlin, Juli 2006

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