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Sprechen wie ein Fußballcoach

Er spricht höflich, nicht rotzig, klingt wohlerzogen, kaum widerborstig. Seine kratzige Stimme formuliert altmodische Sätze wie „ich habe mich geehrt gefühlt“. Fast ohne ironischen Unterton, scheinbar ehrlich. „Das Glück zu haben, so viele neue Stücke, Autoren und Leute kennen zu lernen, hat man sonst nicht.“ Sagt David Bösch, ein aufstrebender Jungregisseur der neuen Art, ein Pragmatiker, der sich undramatisch gibt. Ein junger Theatermann, der auf dem Theatertreffen als Unsichtbarer seine Spuren hinterlassen hat.

Man findet ihn zwischen den Zeilen im bunten Kosmos des Stückemarktes. Zusammen mit so namhaften Autoren wie Wladimir Kaminer und Lukas Bärfuss hat er knapp sechzig eingesandte Stücke gelesen – und bewertet. Ein wahrer Marathon, möchte man meinen. Und das neben einem Pensum, das seine Regiearbeiten in Essen, Hamburg und Zürich schon mit sich bringt. „Den Großteil der Stücke habe ich zwischen den Proben gelesen“, sagt Bösch, der seine Zeit und Ressourcen einzuteilen weiß, um im Chaos seiner Theaterleidenschaft nicht unterzugehen.

In rasantem Tempo hat der preisgekrönte 27-jährige Absolvent der Zürcher Regieklasse bereits manchen Titanen der dramatischen Literatur auf große Bühnen gewuchtet: Shakespeares „Romeo und Julia“ und den „Sommernachtstraum“, Marivauxs "Streit", „Mein Kampf“ von George Tabori. Zurzeit steht, rennt, sitzt und denkt er in Hamburgs Hafen in einem Zelt, „Viel Lärm um nichts“, wieder Shakespeare – fürs Thalia Theater. Im Sommer wird er mit dem Zelt auf Reisen nach Salzburg zu den Festspielen gehen.

Bösch spricht von Logistik, Trainieren, Entwicklung. Worte, wie man sie von einem Fußballcoach erwarten würde, aber von einem jungen Künstler? Wandelt sich dessen Bild gerade oder ist David Bösch nur eine Ausnahme? Natürlich ist ihm die Arbeit mit dem Schauspieler das Wichtigste, der künstlerische Dialog mit Dramaturgen und seinem Intendanten Anselm Weber in Essen, wo er nun fester Hausregisseur ist. Es läuft ziemlich viel ziemlich gut in Böschs Theaterleben. Manchmal verspüre er schon Angst und wäre lieber immer „auf der sicheren Seite“.

Irmgard Berner

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