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MONOLOG

Der „Wallenstein“ des wahren Lebens: Sven-Joachim Otto, CDU-Politiker. Als Mannheimer OB-Kandidat (1999) und bei der Wahl zum Stadtkämmerer (2004) an Gegenstimmen aus der eigenen Fraktion gescheitert.

»Mir liegt das Herz auf den Lippen. Meine Erlebnisse, meine Niederlagen – ich spreche über alles.

Vorgeschlagen für die Rolle bei „Rimini-Protokoll“ hat mich der ehemalige Generalintendant des Mannheimer Theaters: „Der Otto ist für jeden Unsinn zu haben.“ Übrigens, von ihm hatte ich mich zu politischen Fragen beraten lassen.

Meine Geschichte erinnert Sie an das Aus von Heide Simonis in Kiel? Ach, wissen Sie, ins Kloster zu gehen und zu trauern, ist weder für Heide Simonis noch für mich die richtige Therapie nach solchen Erschütterungen. Sie tanzt, ich spiele Theater.

Schillers Themen im „Wallenstein“: Macht, Vertrauen, Hinterlist, Heimtücke – zeitlose Stoffe. Unsere Inszenierung zeigt das Leben ohne Filter, nicht so klischeehaft wie das Fernsehen mit seinen Prototypen von allein erziehenden Müttern und sympathischen Ärzten. Unser Team? Ein harmonisches Ganzes. Seltsam? Überhaupt nicht. Wir nehmen einander in die Arme, wenn wir uns wiedersehen. Die Geschichten der US-amerikanischen Kollegen auf der Bühne, die im Vietnam-Krieg waren, stellen natürlich alle anderen in den Schatten. Sie erschüttern stets aufs Neue. Ich war zu dieser Zeit nicht einmal geboren.

Mein erster Auftritt im Stück? Ich singe ein Lied: „Jeden Morgen geht die Sonne auf“. Voll Melancholie und Zuversicht. Am Ende der Inszenierung frage ich dann, ob jemand Mitgefühl mit mir hat. Haben Sie? Egal. Im Publikum gehen immer etliche Arme nach oben. Ich glaube übrigens, die Berliner Zuschauer sind kein klassisches CDU-Publikum wie das einer Wagner-Oper?! Jetzt haben Sie’s erlebt: „Mir liegt das Herz auf den Lippen.“ «

Aufgezeichnet von Leonie Wild

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