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MONOLOG

Das Gefühl der Fremdheit kennt die 26jährige Carmen Birk: Die Schauspielerin wuchs als Teil der deutschen Minderheit in Rumänien auf. In Amos Oz´ „Allein das Meer“ spielt sie die Jüdin Dita.

„Das Schöne bei Amos Oz ist für mich, dass der Nahost-Konflikt nur angedeutet wird. Man sagt da einfach Israel und weiß, wovon die Rede ist. Die Figuren versuchen, den großen Konflikt dadurch zu lösen, dass sich jede ihren Lebenswillen erhält. Diese junge Frau Dita geht in die Disko, in der vor einer Woche ein Attentat verübt worden ist. Mutig. Durch die ständig präsente Gefahr lebt sie aber viel intensiver.

Mut beinhaltet, dass man eine Angst in sich trägt, die man überwunden hat. Wenn ich diese Angst überwinde, entsteht für mich Lust. Auch das Theater ist ein Ort der Angst und der Lust. Die Spielfreude auf der Bühne wird stärker, wenn ich über den Moment der Angst hinweggehe. Die Angst treibt den Puls in die Höhe, durch das Adrenalin wird man lebendiger.

Und Angst hat auch mit dem Gefühl der Fremdheit zu tun; das ist für mich überhaupt ein Motor, um Theater zu machen. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und war weder ganz Rumänin noch ganz Deutsche. Das Gefühl, nicht dazu zu gehören, hat mich stets begleitet – auch als ich nach Deutschland kam.

Fremdheit sehe ich weniger als Frage der Nationalität oder Kultur, viel mehr als die Erfahrung, Außenseiter zu sein. Schauspiel ist deshalb auch eine Suche nach Heimat. Vielleicht ist das Theater eine andere, eine dritte Heimat.“

Aufgezeichnet von Nico Schrader

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