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Kollektive Thrombose

Im Grunde passiert kaum etwas in Tschechows „Iwanow“ (10. und 11. Mai, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz): Eine stoische Spaßgesellschaft hat sich vom Leben zurückgezogen und verharrt in Langeweile. Der verschuldete Intellektuelle Iwanow versinkt in Selbstmitleid, seine Frau Anna stirbt und seine geplante Hochzeit mit der jungen Sascha kommt nie zustande.

Sir Henry, der für Dimiter Gotscheffs Inszenierung die Musik schuf, hat für den Stillstand ein musikalisches Pendant gefunden:
„Das Stück kommt mir wie die negative Seite von Gemütlichkeit vor: wie Weihnachten in einem süffigen, überhitzen Raum; alles scheint rötlich und Céline Dions Christmas Album rotiert im CD-Player. Eine Version der Hölle, aber vor allem ein Zustand der Blockade, der Unbeweglichkeit - wie bei einer Thrombose. Ich übertrage das in Schnulzen-Motive von „My heart will go on“ aus „Titanic“ oder mit Puccini, Motive, die ich neu kreiere.

Bei den Vorstellungen sitze ich in der ersten Reihe und lasse die Musik in ihrer Grelle über den standardmäßig eingebauten MIDI-Synthesizer meines Laptops laufen. Das gab es in der Theatermusik so noch nie.

Schauspiel und Musik sind in „Iwanow“ gleichwertig. Durch die Schnulzen-Variationen entsteht ein musikalischer Kosmos aus den Erlebnissen der Zuschauer. Die Musik offenbart dem Publikum von was es sich täglich berieseln lässt. Sie deutet als Zeigefinger auf die geistige Thrombose.“

aufgezeichnet von Melanie Fuchs

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