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Die Kirsche auf dem Eisbecher

Thomas Girst, Leiter des Referats KulturKommunikation der BMW Group in München, über Sponsoring, kulturelle Verantwortung und die Freiheit der Kunst.

Herr Girst, wonach entscheiden Sie, was gefördert wird?
Für uns ist es wichtig, auf innovative Formate zu setzen, nachhaltig zu fördern und keinen Focus auf ein bestimmtes Genre zu haben.

Sind nicht Prestigeprojekte begehrter, weil Unternehmen damit größeren Nutzen verbinden?
Die BMW Group engagiert sich vor allem dort, wo man nicht von populistischen Kulturmaßnahmen spricht. Und warum wir uns engagieren, das hat mit dem Schlagwort corporate cultural responsibility, der kulturellen Verantwortung eines Unternehmens, zu tun. Außerdem geht es darum, am Standort in München Flagge zu zeigen.

Anders gefragt: Ist die Abteilung Kulturkommunikation der BMW Group ein Profitcenter? Sie fördern ja nicht aus Philanthropie...
Es ist keine Philanthropie, aber wenn Sie die Kulturabteilung als Kostencenter bezeichnen, dann gehen Sie einen Schritt weiter, als wir selbst das tun. Es muss ein Bekenntnis des Unternehmens zum Kulturengagement da sein.

Besteht nicht dennoch die Gefahr, dass irgendwann nur noch Leuchtturmprojekte gefördert werden?
Das ist ein wichtiger Punkt. Förderung muss von der Ausrichtung des Unternehmens abhängen. Als Premium-Automobilhersteller ist BMW verpflichtet, Dinge auf Augenhöhe zu fördern: Die Bayerische Staatsoper oder die Berliner Festspiele. Für mittelständische Unternehmen spielen andere Dinge eine Rolle.

Aber liegt nicht genau da das Problem? Kleine Projekte werden bestenfalls noch von kleinen Unternehmen gefördert.
Die brauchen aber auch nicht so viel. Am 1. Juni wird es zum Beispiel im Berliner Haus der Wirtschaft eine Tagung zu corporate cultural responsibility geben. Da werden erstmalig vom Handelsblatt und von der Süddeutschen Zeitung Preise zum kulturellen Engagement verliehen und da geht es nicht darum, wer wie viel Geld gegeben hat.

Sondern um kreative Lösungen?
Kulturelle Institutionen können noch besser lernen, wie sie auf Unternehmen zugehen, ohne große Logos auf den Vorhang projizieren zu müssen. Man sollte sich gegenseitig verstehen lernen.

Apropos große Logos: Besteht die Gefahr, dass Kultursponsoring die Freiheit der Kunst gefährdet?
Das ist ein deutsches Argument. In Amerika verhält es sich genau umgekehrt, dort ist jede Mark, die vom Staat kommt, suspekt. Ich glaube aber, dass die Kultur hierzulande Sache der Politik bleibt. In Zahlen sind es 450 Millionen Euro private gegen 8 Milliarden Euro öffentlicher Fördergelder. Von Unternehmensseite sollte Förderung nie mehr sein als die Kirsche auf dem Eisbecher.

Gewährleistet denn BMW die Freiheit der Kunst?
Bei uns gilt der Satz der absoluten Freiheit des kreativen Potentials. Wir haben eine wunderbare kulturelle Landschaft, die frei sein sollte von jeglicher Instrumentalisierung.

Wenn man das Programmheft vom Theatertreffen aufschlägt, sieht man ein großes Foto von einem fremden Mann, der für BMW an seiner Brille kaut.
Sir Peter Jonas, der Intendant der Bayerischen Staatsoper!

Schon klar, aber was macht der beim Theatertreffen?
Er berichtet von einer sehr guten Zusammenarbeit mit der BMW Group.

Agieren Sie im Auftrag von BMW oder im Auftrag der Kunst?
Man sollte seine Person hinten anstellen für das, was strategisch für das Unternehmen Sinn macht. Das heißt nicht, dass man seine Begeisterung hinten anstellt.

Mit Thomas Girst sprach Lilian Ascherfeld

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