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Den kenn’ ich doch

Der Fußball feiert ihn, die Plattenfirmen erfinden ihn
und auch beim Theaterpublikum der Berliner Festspiele
hat er seine Jünger: der Star.


Neulich hatte ich einen Traum, der war schräg. Ich – ein Star. Mit rotem Teppich, Werbeverträgen, Titelblattgarantie. All der Glamour. Ach! Ich wollte es eigentlich nicht preisgeben. Egal. Star sein ist beliebt. Achtundzwanzig Millionen Treffer knallt die Suchmaschine Google auf den Monitor, tippt man „I wanna be a star“. Popmusiker singen im Radio von der Sehnsucht, einzigartig und unvergesslich zu sein. Im Mittelpunkt zu stehen und überall erkannt zu werden.

Oliver Kahn hat es geschafft, Robbie Williams hat es geschafft, „Macbeth“-Regisseur Jürgen Gosch, die Schauspieler Katharina Schüttler und Felix Goeser, die beim diesjährigen Theatertreffen als Hedda Gabler oder Platonow auf der Bühne stehen, haben es offensichtlich auch geschafft. Sie werden als Stars der Hochkultur gehandelt. Wie haben sie das nur gemacht?

Mit Talent und Disziplin. Katharina Schüttler hat früh angefangen. Spielte schon als Kind erste Rollen in Film- und TV-Produktionen. Ja, sicher, Ehrgeiz. Aber der allein reicht heute nicht mehr. Persönlichkeit lautet die zweite Zutat für den Zaubertrank, der in einen Star verwandeln kann. Katharina Schüttler, schön und tough, das magere Turnschuhmädchen von nebenan, ist so ein Typ. Der neue Held des Stuttgarter Staatstheaters Felix Goeser, Typ Sunnyboy, hat Charme. Regisseur Jürgen Gosch ist der umstrittene Provokateur.

Promi-Geheimnis Nummer drei: Du bist erfolgreich, wenn von dir gesprochen wird. Also kümmere dich darum. Pflege dein Image, nutze die Presse. Wer bedeutend sein will, muss mehr beherrschen, als nur sein eigenes Metier. Nicht nur die Fußball-Helden sind Global Players, sondern auch die Theater-Stars von heute. Immer und überall präsent. Sonntags im Fernsehen der„Tatort“ mit Martin Wuttke, montags auf dem Titel der Fernsehzeitung: Senta Berger. Schon das neue Klassiker-Hörbuch gekauft? Anna Thalbach liest. Als vor vier Jahren der ausgebildete Schauspieler und bekannte Fernsehmoderator Harald Schmidt in Bochum in Becketts „Warten auf Godot“ den Lucky spielte, waren sämtliche Vorstellungen ausverkauft. Es saßen viele Jünger der Schmidt-Show im Publikum, die sonst nie ins Theater gehen.

So läuft das. Theaterstars als neue Kultbilder, an denen ein mythischer Hauch, aber auch der verdächtige Geruch der Vermarktung hängt. Prominenz lässt die Kassen klingeln. Welch eine Verlockung in Zeiten von Spardebatten und finanzieller Bedrohung der Bühnen: durch Stars ein neues Publikum an sich binden. Wo bleibt denn da die Hochkultur, die Kunst? Diese Kritik musste sich damals auch Matthias Hartmann, der Regisseur der „Godot“- Inszenierung anhören. „PR-Gag“ titelte ein Magazin. Hartmann widersprach und beteuerte, Harald Schmitt „programmatisch“ besetzt zu haben, lucky sei ein Moderator und spucke nur noch Textfetzen. Doch das Publikum begriff und feierte Michael Maertens. Auch ein Star. Meiner.

Karin Kontny

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