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GAST

Klaus Wowereit, eine Frage: „Muss man Ekeltheater wirklich besuchen?“

„Ekeltheater“? Das könnte zum Unwort des Jahres werden. Niemand muss eine Theateraufführung anschauen, die sein persönliches Schamgefühl verletzt. Aber man sollte auch nicht das zeitgenössische Regie-Theater in Bausch und Bogen verdammen, weil manche Aufführung Geschmacksgrenzen verletzt. Was zu weit geht, das entscheidet – wenn man Straftatbestände außer acht lässt – immer noch das Publikum, also jeder einzelne Theaterbesucher selbst. Und der weiß meistens schon vorher, was auf ihn zukommt. Im Übrigen gilt: Kunst muss provozieren, muss Grenzen überschreiten. Kunst darf extrem sein. Allerdings: Nicht jede Provokation ist große Kunst. Es kommt immer auf den Kontext an. Bei Shakespeare wird gemeuchelt und gemordet. Müssen deshalb die Darsteller durchs Theaterblut waten? Ermessenssache.

Schade ist es allerdings, wenn großartigen Theaterstücken durch allzu grelle Bühnen-Effekte der Garaus gemacht wird. Herz und Hirn sind allemal die besseren Adressaten für Theaterbotschaften als die Magengrube. Und ein Theaterklassiker wird nicht deshalb seit 400 Jahren immer wieder gespielt, weil darin so viel Blut fließt, sondern weil er von Menschen handelt und von der Macht großer, gefährlicher Gefühle. Das freilich kann wirklich schockieren.

Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister von Berlin

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