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GAST

Lilo Wanders über Diven:

Als Maria Callas sich vor einem Flug nicht sicher war, ob sie die Decke für ihren Hund Toy eingepackt hatte, wurde die Abfertigung der Maschine für Stunden gestoppt, bis die Decke in einem der vielen Koffer der Diva gefunden wurde. Und niemand hat sich über die Verzögerung beschwert. Chanson-Sänger Tim Fischer im Frühstücksfernsehen. Die Moderatorin blickt ihren Gast bemüht flockig an und fragt: „Herr Fischer, wären Sie lieber eine Frau?“ Tim antwortet: „Nein, eigentlich nicht, schon wegen der Tage“ und bewegt sich zum aufgebauten Flügel. Marlene Dietrich lud gern beim Dinner ihren Tischnachbarn für später auf ihr Zimmer. Sie kannte zwei Pflichten der Frau: dem Manne dienen und dafür sorgen, dass dieser nicht mit den möglichen Folgen behelligt wurde. Welcher Mann aber in den Genuss ihrer Dienste kam, entschied sie ganz allein.

Die Diva: lasziv wie ein Raubtier, verehrt aber unnahbar, kann sie alles sagen ohne etwas von ihrem tiefsten Kern preiszugeben und hält ihre Anbeter auf Distanz. Die Diva wohnt nicht nebenan, sie hat Stil. Sie ist nicht an irdische Dinge gebunden. Sie ist eine Göttin, solange sie an sich selber glaubt. Ihre Launen und Absonderlichkeiten haben nichts mit menschlichen Unzulänglichkeiten zu tun, und aus dem Umgang mit ihr lassen sich keine Rechte auf sie ableiten. Alles, was die Diva tut und sagt, ist tief empfunden. Diva-Sein sitzt in den Genen und ist manchmal schmerzhafte Amtsausübung. Die Diva löst Sehnsucht aus. Dem Himmel sei Dank, dass sie nur selten vorkommt.

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