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GAST

Ex-Umweltminister Jürgen Trittin, in der Pause von „Platonow“ durch Lilian Ascherfeld und Tim Meyer befragt:

„Von Shakespeares Macbeth kann die Politik viel lernen: Macht ist immer nur auf Zeit. Platonow dagegen sehe ich als Allegorie auf eine Generation, die sehr kämpferisch gestartet, dann aber in einer stagnierenden Gesellschaft in eine Midlife-Crisis versinkt, der eine Jugend gegenüber gestellt wird, deren Zukunft der Zynismus der Vierzigjährigen ist. Bei dem jungen Studierenden im Ledermantel habe ich an Friedrichshain denken müssen – eine Gegenwartsfigur. Es ist bezeichnend, dass dieses Jahr so viel Tschechow eingeladen wurde: Stücke, die das Stagnieren einer Gesellschaft beschreiben. Das kann man natürlich als Bild auf die heutige Zeit verstehen, nicht erst seit der Großen Koalition. Schließlich geht es bei Tschechow nicht um eine revolutionäre Hoffnung, sondern um Resignation, Depression. Gerade das ist der Zusammenhang mit der Gegenwart. Denn bei Tschechow kreisen die Menschen oft um sich selbst. In seinen Stücken hat man es eher mit individuellen Implosionen als mit kollektiven Explosionen zu tun. Sie zeigen, dass die Menschen keinen Ausweg sehen. Tschechow handelt von der Erosion der Bürgerlichkeit, vom Verlust von Werten und wie unter der Oberfläche urtümliche Triebe walten. Ich glaube, mit Tschechow,, die These mit der neuen Bürgerlichkeit stimmt nicht.

Auch wenn es jetzt einen Regierungswechsel gab. Man soll Regierungen nicht überinterpretieren. Auch die Regierung nicht, in der ich war.“

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