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EDITORIAL

Wen kümmert’s, wer übers Theater spricht? Wer wenn nicht zuerst Theaterkritiker sollen einer Inszenierung öffentliche Aufmerksamkeit - und Besucher - verschaffen. Die Theaterkritik möchte gut sein, will zuallererst heißen: Sie soll neugierig machen auf das Stück/ die Inszenierung. Gegenüber dem Publikum soll sich der Kritiker als Emphatiker verhalten, Lust aufs Theater machen, gegenüber den Theaterschaffenden als Gnostiker, der die Qualität des Theaters beurteilt und einfordert.

Theaterkritiker haben eine enorme Verantwortung, die über Wohl (Besucherzahl) und Wehe (Qualität) eines Stückes entscheidet. Aber wie viele Besucher machen ihre Entscheidung abhängig von der Theaterkritik in den Feuilletons, in den Fachzeitschriften? Wie viele nehmen sie überhaupt zur Kenntnis? Lesen Politiker Theaterkritiken, um über (die Höhe von) Investitionen zu entscheiden? Und vor allem: Wie viel gilt wem das Urteil des Kritikers? Dem Besucher vermutlich weniger als dem Intendanten, dem Regisseur, den Schauspielern. Wie viel gilt es denen, die die Theaterkultur in diesem Land schützen wollen und gleichzeitig über Kürzungen und Schließungen nachdenken?

Die Nachwuchsjournalisten der tt-festivalzeitung arbeiten in vielerlei Hinsicht unter Laborbedingungen, die die Kulturstiftung des Bundes mit weiteren Partnern ermöglicht. Gegeben sind: die bemerkenswertesten Inszenierungen der laufenden Theatersaison, ausverkaufte Vorstellungen. Kontakte zu den Theaterleuten müssen nicht mühsam gesucht, Zeilen im Blatt nicht erkämpft, Honorare nicht erstritten werden. Kompetente Mentoren und Zeitungsmacher sichern Qualität und Veröffentlichung der Artikel. Als Beilage zur Berliner Zeitung kann die tt-festivalzeitung zudem eine große Leserschaft erreichen.

Aus all dem erwächst den Kulturjournalisten eine besondere Chance. Sie können sich um Themen und Fragen kümmern, die nicht durch die Kalamitäten des Rezensionsalltags beeinträchtigt werden. Wie kann man dem Theater eine Öffentlichkeit verschaffen, die sich nicht bei der Frage nach der Güte einer einzelnen Inszenierung aufhält? Wie bringt man Theater ins (Stadt)Gespräch jenseits von Meldungen über Finanznöte und Intendantenwechsel? Die tt-Festivalzeitungsmacher müssten nichts weniger als neue Formen des Sprechens über das Theater finden. Damit sich viele kümmern, wenn einer vom Theater spricht. Damit alle vom Theater sprechen.

Hortensia Völckers
Künstlerische Direktorin
Kulturstiftung des Bundes

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