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EDITORIAL

Oberflächlich. Bissig. Eitel. Unbeweglich. So sei er nun mal, der Theaterkritiker, schrieb einst Peter Zadek, als die Kollegen von der „Zeit“ ihn einluden, die Kritiker zu kritisieren. So ähnlich klingt es meistens, wenn die Macher mit den Rezensenten – abrechnen, anders kann man das nicht nennen. Über Alfred Kerr, den großen Kerr, schrieb Robert Musil einst bissig, der Kritiker zeichne sich durch die Fähigkeit aus, Recht zu behalten. Das Verhältnis zwischen denen im Scheinwerferlicht und denen im Dunkeln ist also gespannt, nicht erst seit der Schauspieler Thomas Lawinky dem Kritiker Gerhard Stadelmaier seinen Block entriss und dadurch eine Art Skandal auslöste.

Beliebt ist es auch, dem Kritiker entgegen zu halten, dass er eigentlich selbst gern auf der anderen Seite mitspielen würde, dazu aber – wahlweise – zu untalentiert sei, zu gebildet, zu selbstverliebt oder einfach nur zu feige. Na und? Wenn der Kritiker ein besserer Intendant, Regisseur oder Schauspieler wäre als die Intendanten, Regisseure und Schauspieler, hätte er womöglich seinen Beruf verfehlt. Hauptsache, er ist der bessere Kritiker. Anderen journalistischen Professionen bleibt dieser Vorhalt übrigens erspart. Kein Fußballtrainer fordert vom Sportreporter, sich erst einmal in der Viererkette zu bewähren, bevor er deren Versagen bemängelt; kein politischer Journalist wird aufgefordert zu beweisen, dass er besser regieren kann als die Kanzlerin, bevor er sie kritisiert.

Also, verehrte Theatermacher, lernt mit der Kritik zu leben, in dieser Festivalzeitung und auch sonst! Nehmt die Kritik ernst, aber auch nicht zu wichtig. Genießt die Bravos des Publikums und ertragt das Buh des Kritikers. Wünscht euch die Hommage, aber ertragt den Verriss. Ändern könnt ihr ihn ohnehin nicht, den ewigen Kritiker. Theodor Fontane war auch so einer. Als er das Stück eines hoch angesehenen Autors in Grund und Boden schrieb und damit Empörung bei Theatermachern und Publikum gleichermaßen auslöste, antwortete er lapidar: „Schlecht ist schlecht, und es muss gesagt werden.“

Wenn er euch aber doch mal lobt, unser Kritiker, dann bildet euch nichts darauf ein. Schließlich ist er doch: Oberflächlich. Bissig. Eitel. Unbeweglich.

Uwe Vorkötter
Chefredakteur der Berliner Zeitung

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