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>> Martin Luther King bei den Berliner Festwochen 1964


Als Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt in den Vereinigten Staaten Anfang des Jahres 1961 neben Präsident John F. Kennedy auch Martin Luther King traf, war Vieles noch unentschieden und ungeschehen. Willy Brandt lud den Bürgerrechtler nach Berlin ein, wo er – 3 ½ Jahre später – die Berliner Festwochen eröffnen sollte. Als Martin Luther King schließlich am 12. September 1964 auf dem Flughafen Tempelhof landete, tat er das in einer Stadt, die seit seinem letzten Treffen mit Willy Brandt nunmehr durch eine Mauer geteilt war und am Vortag einer Festwocheneröffnung, die auch Gedenkveranstaltung für den im November 1963 ermordeten John F. Kennedy sein sollte. Kurz zuvor noch, im Sommer 1963, hatte sich Kennedy mit seiner Sympathiebekundung »Ich bin ein Berliner« den Berlinern unvergesslich gemacht. Martin Luther King sollte es noch werden, und zwar anlässlich der 14. Berliner Festwochen, die sich »der Wechselwirkung zwischen der Kultur des Abendlandes und der des schwarzen Afrikas« widmen wollten – wie Intendant Nicolas Nabokov das Motto formulierte.

Martin Luther King hatte am 19. Juni 1964 sein Ziel erreicht: An diesem Tag wurde in den USA offiziell die Rassentrennung aufgehoben. Nun aber kam er in eine Stadt, die gerade eine Teilung hinter sich hatte. Doch der Friedensprediger wusste, dass diese Teilung nicht im Willen vieler Menschen wurzelte, sondern, entschieden von wenigen – ungewählten – Mächtigen, in das Leben eines Volkes eingriff und Familien zerriss. Ganz anders das State Department in Berlin, für das zu diesem Zeitpunkt die Menschen im Ostteil wohl als bloße Instrumente des verfeindeten Systems galten: Es versuchte, eine Einreise des Friedenspredigers nach Ost-Berlin dadurch zu verhindern, dass es ihm seinen Ausweis abnahm. Am 13. September um 11 Uhr vormittags sprach Martin Luther King bei der Gedenkfeier für John F. Kennedy, die gleichzeitig das Eröffnungskonzert der Festwochen war – übrigens auch Gründungs-Festwochen des JazzFest Berlin – und vier Chöre traten auf, darunter der Chor des »Black Nativity Play«, der Gospels und Spirituals sang. Nach seiner anschließenden Predigt vor 20.000 Menschen in der Waldbühne wollte King am Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin weiterreisen, wo er ebenfalls geladen war, eine Predigt zu halten. Aber ohne Ausweis? Auch den Grenzern war er seit seiner in Washington vor einer Viertelmillion Menschen gehaltenen Rede »I have a dream« bekannt. Nach längeren Verhandlungen am Kontrollpunkt brauchte er schließlich nur seine American Express Card als Pfand hinterlegen, um in den sozialistischen Teil Berlins einreisen zu können. Nach dem überwältigenden Erfolg der – übrigens identisch mit der in der Waldbühne gehaltenen – Predigt in der Marienkirche wurde kurzfristig eine zweite in der Sophienkirche organisiert, die ebenso bis auf den letzten Platz gefüllt war. Vorher hatte Martin Luther King noch den Ort eines Feuergefechtes in der Nähe der Grenzübergangsstelle Heinrich-Heine-Straße besucht, wo es einem amerikanischen Sergeanten wenige Stunden zuvor gelungen war, einen schwer verletzten DDR-Flüchtling aus dem Kugelhagel zu retten. Am Ende seines Aufenthaltes in Ost-Berlin holte er schließlich kurz vor Mitternacht seine Kreditkarte am Checkpoint Charlie wieder ab. So zeitigte die Einladung Martin Luther Kings zu den Festwochen 1964 geschichtsträchtige Ereignisse in beiden Teilen Berlins.

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