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W. Eugene Smith – Fotografien
Eine Retrospektive

25. September bis 27. November 2011

Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung von La Fabrica, Madrid.

Kuratorin Enrica Viganò

Medienpartner rbb Kulturradio, Der Tagesspiegel
Partner The Mandala Hotel

W. Eugene Smith, geboren 1918 in Wichita / Kansas und gestorben 1978 in Tucson / Arizona, hat sich seit den 1940er Jahren als politisch und sozial engagierter Fotojournalist in den USA einen Namen gemacht. Viele seiner Bildreportagen sind bei Life erschienen, dem wichtigen Magazin für Fotojournalismus, das 1936 in New York gegründet wurde. Smith sah in der Fotografie mehr als nur die Illustration zu einem Text und hat oft bei den Redakteuren mehr Mitsprache beim Gestalten eines Fotoessays eingefordert. Seine immens aufwendig recherchierten und emotional bewegenden Reportagen setzten in den 1940er und 1950er Jahren neue Maßstäbe für die fotojournalistische Praxis.

Bereits als Fünfzehnjähriger begann Smith zu fotografieren, angeregt von seiner Mutter, einer passionierten Hobbyfotografin. Nach dem Selbstmord seines Vaters in Folge der Wirtschaftskrise, studierte Smith zunächst 1936 an der University of Notre Dame, Indiana. Er träumte davon, Fotograf zu werden und zog nach New York. Dort besuchte er das New York Institute of Photography. Seinen beruflichen Einstieg fand er 1937 als Fotoreporter bei Newsweek.

Ein Jahr später wurde er freier Mitarbeiter für die Agentur Black Star und seine Aufnahmen erschienen bei Harper’s Bazaar, Collier’s, Time und bei Life. Mit Life entwickelte sich daraufhin eine mehrjährige, umfangreiche Zusammenarbeit.

Nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg fertigte Smith zunächst für das Magazin Parade Propagandaaufnahmen zur Unterstützung der US-amerikanischen Truppen. Dann, als Korrespondent des Magazins Flying, nahm er an Aufklärungsflügen teil und fotografierte aus der Luft. 1944 wurde er erneut bei Life - dieses Mal als Kriegskorrespondent - angestellt und hielt die Schlacht von Saipan und die Landungen der Amerikaner auf den Inseln Iwojima und Okinawa fest. Im Zuge der Kämpfe veränderte sich der Stil seiner Aufnahmen: Statt enthusiastischer Darstellungen zeigte er das immense Leid der Zivilbevölkerung und entwickelte eine Bildperspektive, die den Betrachter emotional einbezog. Smith wurde am 22. Mai 1945 selbst schwer verletzt und musste bis 1947 mehrere Operationen über sich ergehen lassen.
Den symbolischen Neubeginn verkörperte für ihn das erste Foto nach seiner Verwundung. A Walk to Paradise Garden zeigt seine beiden jüngeren Kinder beim Betreten einer sonnendurchfluteten Lichtung. „Während ich meinen Kindern ins Unterholz und zu der Gruppe höherer Bäume folgte - wie sie sich an jeder ihrer kleinen Entdeckungen erfreuen konnten! – und sie betrachtete, wusste ich auf einmal, dass ich trotz alledem, trotz aller Kriege und aller Niederlagen an diesem Tag, in diesem Augenblick ein Sonett auf das Leben und auf den Mut, es weiterzuleben, anstimmen wollte.“ (1954)

Nach seiner Genesung arbeitete er erneut für Life. Besonders Dokumentationen, die das engagierte Wirken einfacher Menschen zeigten, beeindruckten die Leser. In The Country Doctor (erschienen 1948) begleitete er mehrere Wochen einen jungen Landarzt aus der Nähe von Denver bei seiner Arbeit. Sein Beitrag Nurse Midwife (erschienen 1951) über die schwarze Hebamme Maud Callen entstand vor dem Hintergrund von Rassendiskriminierung und des aktiven Wirkens des Ku-Klux-Klans im Süden der USA. Smith veränderte beim Entwickeln der Abzüge die Lichtregie, um die emotionale Atmosphäre - zum Beispiel während einer Geburt - zu verdichten und um Anteil an der aufopfernden Arbeit der Hebamme zu wecken. Sein soziales Engagement fand jedoch nicht immer Zustimmung wie bei der unveröffentlichten Reportage (1950) über die Kampagne zur Wiederwahl von Clement Atlee, dem Kandidaten der britischen Labourpartei. Life gedachte mit dem Bericht indirekt die Position der Liberalen zu stärken, indem die Folgen der staatlichen Wirtschaftspolitik unter Atlee kritisch dargestellt würden. Smiths Berichterstattung weckte jedoch Sympathie für Atlees Programm und den Kandidaten selbst. Mit der Reportage Spanish Village (erschienen 1951) hatte Smith mehr Erfolg. Er wollte einen Eindruck von den Lebensverhältnissen in einem faschistischen Regime vermitteln. Nach Erhalt der nötigen Fotoerlaubnis recherchierte er zwei Monate vor Ort und wählte ein abgeschiedenes Dorf in der Extremadura für die Aufnahmen aus. Etliche der Fotografien erinnern mit ihrem strengen Helldunkel und ihrer klar gebauten Komposition an malerische Vorbilder und vermitteln mittels dieser Stilisierung ein Gefühl für die Schwere und auch die Schönheit des dortigen Lebens.

Smiths Beitrag über Albert Schweitzers Wirken in Lambaréné sollte der letzte für Life werden: Die fehlende Mitsprache bei Bildauswahl und Layout waren für ihn nicht mehr hinnehmbar und er verließ die Zeitschrift nach Erscheinen des Essays A Man of Mercy im November 1955.

Eine berufliche Alternative bot die Mitgliedschaft bei Magnum, der 1947 gegründeten Agentur für Fotografen. Im Auftrag von Stefan Lorant begann Smith eine umfassende Reportage über die Stadt Pittsburgh und ihre Eisenhütten, die ihn die nächsten Jahre beschäftigte und an seine finanziellen und persönlichen Grenzen brachte. Statt der mit Lorant verabredeten 100 Abzüge entstanden 13.000 Aufnahmen, aus denen er einen Essay komponierten wollte, der ganz seinen Überzeugungen entsprach. 1958 wurden 88 Fotografien im Popular Photography’s Annual publiziert, als Gesamtwerk ist der Essay nie erschienen.

1957 hatte sich Smith, der für seinen exzessiven Arbeitsstil bekannt war, von seiner Familie getrennt und war in die Sixth Avenue, 821, in New York gezogen. In dem Haus verkehrten und probten viele bekannte Jazzmusiker und Smith, der ein begeisterter Musikliebhaber war, fotografierte und dokumentierte während der nächsten Jahre dieses kreative Umfeld. So zeichnete er die Arbeitsatmosphäre auch auf 1740 Tonbändern auf, die erst 1998 in seinem Nachlass gefunden wurden. Außerdem fotografierte er von seinem Fenster aus Straßenszenen und arbeitete zeitgleich über den Bau einer psychiatrischen Klinik in Haiti.

Ein Auftrag der Cosmos PR Agentur, das Unternehmen Hitachi Ltd. zu fotografieren, führte Smith 1961 für ein Jahr nach Japan. In seinem 1963 erschienenen Buch stellte er den Kontrast zwischen dem modernen Japan und den tief verwurzelten Traditionen in den Mittelpunkt. Ein Jahrzehnt später widmete er sich mit der erschütternden Serie über die Minamata-Krankheit erneut der forcierten Modernisierung Japans und ihren schwerwiegenden Folgen. Grund für die Erkrankungen war die vom Chemiekonzern Chisso verursachte Umweltverschmutzung: Der Konzern hatte quecksilberhaltiges Abwasser in der Nähe der Stadt Minamata ins Meer geleitet. Das Komitee zur Verteidigung der Opfer beauftragte Smith, die humane und ökologische Katastrophe zu dokumentieren und der Fotograf, der sich persönlich sehr für dieses Projekt engagierte, zog mit seiner zweiten Frau, Aileen Mioko Smith, nach Minamata. Während seiner Recherchen wurde er vom Werkschutz verprügelt und schwer verletzt. Mit seinen Bildern, die bei Life und in seinem Buch A Warning to the World ... Minamata veröffentlicht wurden, trug er wesentlich zur Publikmachung und Aufklärung des Falles bei.

Smith fotografisches Werk wurde mit Beginn der 1970er Jahre zunehmend museal gewürdigt. Sein Foto A Walk to Paradise Garden hatte Edward Steichen für die Ausstellung The Family of Man (1955) als symbolgebendes Schlussbild gewählt, doch erst 1971 fand die erste Retrospektive Let Truth Be the Prejudice im Jewish Museum in New York statt. 1977 zog der schwer kranke Smith nach Tucson / Arizona und übernahm an der dortigen Universität im letzten Lebensjahr eine Lehrtätigkeit.
Im Center of Creative Photography in Tucson ist sein Nachlass archiviert. Das International Center of Photography, New York, vergibt seit 1980 in Anerkennung von Smiths humanen Engagement das W. Eugene Smith Memorial Fund-Stipendium.

Besucherstimmen

Wundervolle Ausstellung. Sie hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Excellent exibition, beautiful pictures and interesting explanations, it was perfect.
The right amount of material.

Thoroughly enjoyed it, many thanks.

Pressestimmen

Gabriela Walde in Berliner Morgenpost, 24. September 2011
„Ein Fotograf für die Schattenseiten des Lebens“
Der Gropius-Bau als Plattform für Fotografie ist es, der W. Eugene Smith mit einer klugen Retrospektive für Berlin wiederentdeckt. Sechs seiner großen Reportagen sind dort ausgestellt. […] Für die renommierte Agentur Magnum hatte er den Auftrag für eine umfassende Reportage über die Stadt Pittsburgh. […] Er träumte von einem Gesamtkunstwerk aus Bild, Text und Musik. Die Ausstellung zeigt beeindruckend, wie er sich hineinfuchste in das Stadtprojekt.

Ingeborg Ruthe in Berliner Zeitung, 04. Oktober 2011
„Einer der auszog, perfekt zu werden“
Realer als real mögen diese Aufnahmen an den Saalwänden des Martin-Gropius-Baus sein, wie es in der berühmten New Yorker Zeitschrift Life einst über den Fotografen W. Eugene Smith hieß.

Bild, 19. September 2011
„Ausstellung mit Fotoreportage“
Smith gilt als Pionier des Foto-Essays, bekannt wurde er für seine politisch und sozial engagierten Aufnahmen und Bildreportagen. Sie setzten in den 40er- und 50er Jahren neue fotojournalistische Maßstäbe und beeinflussten Jahrzehnte maßgeblich die amerikanische Reportagefotografie.

Fotohits, Oktober 2011
„Mit Herzblut – Meisterwerke des Fotoessays“
William Eugen Smith war zwar innerlich zerrissen, dafür ist sein Werk um so vollkommener. Er brillierte mit Kriegsreportagen, Porträts von Jazz-Musikern und mitfühlenden Dokumentationen. Im Berliner Martin-Gropius-Bau kann man seine Fotos […] bewundern.

fotoMAGAZIN, Oktober 2011
„Ausstellung: W. Eugene Smith“
Auf diese Ausstellung freuen wir uns besonders: W. Eugene Smith (1918-1978) war einer der bedeutendsten Dokumentarfotografen der 40er- und 50er-Jahre und ein Meister der humanistisch gesinnten Sozialreportage, seine Beiträge für Life sind fotojournalistische Meisterwerke, seine Bilder über die Minamata-Krankheit zählen zu den bewegenden Ikonen des 20. Jahrhunderts. Eines der Ausstellungs-Highlights des Herbstes!