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Kompass

Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art New York
The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection

11. März bis 29. Mai 2011

Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Museum of Modern Art, New York.
Unter der Schirmherrschaft des International Council of The Museum of Modern Art.
Gefördert durch den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Kurator Christian Rattemeyer, The Harvey S. Shipley Miller Associate Curator of Drawings, Museum of Modern Art, New York.

Die „Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection” ist eine umfassende Sammlung von etwa 2600 Arbeiten auf Papier von über 600 Künstlerinnen und Künstlern. Sie ging als Schenkung im Mai 2005 an das Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Die Ausstellung „Kompass“ zeigt nun erstmals eine umfangreiche Auswahl von über 250 Arbeiten von 120 Künstlerinnen und Künstlern.

Die Sammlung wurde zwischen 2003 bis 2005 mit der Zielsetzung zusammengetragen, einen allgemeinen und umfassenden Überblick über die Zeichnung als künstlerisches Medium in all seinen materiellen Ausdrucksformen zu vermitteln: Studien, Skizzen, vollendete Monumentalarbeiten, akribische Konstruktionen, die mit technischen Hilfsmitteln wie Linealen angefertigt wurden; spontane Gekritzel ohne Absicht der Vollendung, narrative und figurative Arbeiten sowie abstrakte Zeichnungen. Techniken und Materialien dieser Arbeiten reichen von verschiedenen Drucktechniken, Assemblagen, Collagen sowie Frottagen und traditionellen Medien wie Bleistift, Wasserfarben und Gouache hin zu Material wie Erde, Pigment, Pflanzenextrakten, Ruß, Nahrungsmitteln oder Körperflüssigkeiten.

Der Ausstellungstitel „Kompass“ ist im Englischen ein doppeldeutiger Begriff. Er verweist auf das Navigationsgerät und beschreibt den Zirkel als Zeichengerät. Der Ausstellungstitel weist einerseits auf die geografische Reichweite der Sammlung hin mit Fokus auf die internationalen Kunstzentren (New York, Los Angeles, Berlin, London, und das Rheinland der 60er bis 80er Jahre) und andererseits auf den konkreten Akt des Zeichnens und somit auf die formale und materialbezogene Spannbreite der versammelten Arbeiten.

Die Sammlung spiegelt zwei Entwicklungstendenzen wider: Die gegenständlichen Darstellungsformen und die abstrakten, minimalen und konzeptuellen Ansätze in einer Zeitspanne von den 1950er Jahren bis zur Vollendung der Sammlung 2005. Bestandteil der Sammlung sind Arbeiten vieler großer Künstler des Zwanzigsten Jahrhunderts, darunter Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Donald Judd, Agnes Martin, Edward Ruscha, Lee Bontecou, Martin Kippenberger, Sherrie Levine und Paul McCarthy, einer Reihe bekannter zeitgenössischer Künstler wie Kai Althoff, John Currin, Arturo Herrera, Lucy McKenzie und Paulina Olowska, sowie neu in die Sammlung des Museums aufgenommene Künstler wie Christian Holstad, Nick Mauss, Seb Patane und Amelie von Wulffen. Sie sind alle in dieser Ausstellung mit eigenen Arbeiten vertreten.

Besonders die jüngsten Objekte vermitteln neue Ansätze in der Zeichnung. Sie benutzen Papier nicht bloß als Untergrund, sondern als Material und Quelle und lassen daraus neue Konfigurationen entstehen. Collage- und Assemblage-Techniken nehmen zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine besonders wichtige Rolle in der Produktion ein. So sind die materiellen Experimente von Appropriation, Collage und Montage von besonderem thematischem Interesse. Sie reichen von diskreten Gesten wie der Einbettung von selektiven Fundstücken in einen neuen Kunstkontext (und die bereits seit der kubistischen Collage und der Assemblage im Dadaismus geläufig sind) bis zur vollständigen Wiederaneignung bereits bestehender Motive, die in einen neuen Bildkreislauf eingefügt werden – ein Prozess, der mit Marcel Duchamp’s Ready-mades der 1910er Jahre beginnt, aber im Zeitalter des Internet eine völlig neue Dynamik entfaltet.

Dabei werden beliebte Quellen und weit verbreitete Materialien wie Modemagazine und Pressebilder einbezogen, was darauf hinweist, dass man dem Zusammenhang zwischen den Mitteln der technischen Reproduktion und der Autonomie der Bilder nicht mehr kritisch gegenübersteht, sondern einfach nur aufzeigt, wie Bilder in der heutigen Realität produziert und konsumiert werden. Diese Arbeiten sind keine Abkehr von bisherigen Konzepten und Anliegen des Mediums Zeichnung. Sie müssen vielmehr als aktualisierte Anwendung zahlreicher bisheriger Techniken und Themen und als Ausweitung des Mediums angesichts veränderter Medienbedingungen verstanden werden.
Zugleich wird der Begriff des Zeichnens radikal erweitert: Als Mittel der Zeichensetzung wie bei materiellen Experimenten oder als Prozess des Zeichnens; als Medium der „Ideenbildung“ oder als ‚vollendete‘ Zeichnung oder auch als umfassendes Konzept, das die Welt, in der wir leben, unmittelbar darzustellen vermag.
Christian Rattemeyer

Pressestimmen zur Ausstellung

Niklas Maak in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011
„Die Neuentdeckung des Minimal. Im Berliner Gropius-Bau eröffnet heute eine große Ausstellung von Zeichnungen aus der Rothschild Collection des New Yorker Museum of Modern Art.“
Die von Christian Rattemeyer kuratierte Ausstellung leistet hier zumindest für Deutschland einen Pionierbeitrag. Sie macht Kunst, auf die sich jüngere Künstler wie Sergej Jensen oder Tobias Buche verstärkt beziehen, einem größeren Publikum bekannt – und sie macht sie kunsthistorisch begreifbar als Reaktion auf die Immersionen eines materialintensiven abstrakten Expressionismus: […] Allein wegen der Minimal-Art-Wand lohnt sich der Besuch der Sammlung

Sebastian Preuss in Frankfurter Rundschau, 11.03.2011
„Eine Riesengabe Papier. Zeitgenössische Zeichnungen aus New Yorks MoMA zu Gast in Berlin“
Wann konnte man schon einmal so eine Fülle zeitgenössischer Zeichnungen bewundern? Kunstkulinarisch gesehen ist „Kompass“ eine herrliche, unerschöpfliche Ausstellung, die uns vorführt, was Künstler mit Papier alles anstellen können. […] Mit den Zeichnungen der Judith Rothschild Foundation hat sich das MoMA wieder einmal an die Spitze einer Bewegung gestellt.

Gabriela Walde in Berliner Morgenpost und Die Welt, 11.03.2011
„Großer Auftritt der kleinen Form. Das MoMA ist zurück in Berlin – diesmal mit Zeichnungen von Twombly bis Rauch“
Eines allerdings ist Voraussetzung beim Gang durch die Berliner Schau: hinweg mit der altbackenen Vorstellung, eine Zeichnung sei gebunden an Bleistift & Kohle. Jenseits des Büttenpapiers ist die Zeichnung heute lebendiger als je zuvor, allerdings nur, wenn man ihre erweiterte und medial entgrenzte Form als Beitrag zum aktuellen Dialog über die Bedeutung von Bildern, ihre Aneignung in neuem Kontext sieht

Katrin Bettina Müller in tageszeitung, 12.03.2011
„Das Recht auf Untertreibung. Das MoMA in Berlin. Jetzt sind es „Kompass – Zeichnungen aus dem MoMA New York“, die im Martin-Gropius-Bau zu sehen sind“
Sie [die Ausstellung, Anm. d. MGB] vermittelt aber auch eine Vorstellung vom intimen Rezeptionsmodus der Zeichnung: Je mehr Zeit man ihr widmet, desto mehr bekommt man zurück. […] So ist die Ausstellung nicht zuletzt eine für Berlin sehr schmeichelhafte Anerkennung der eigenen Kunstszene: Via MoMA in den Martin-Gropius-Bau zu kommen ist schon speziell.

Kia Vahland in Süddeutsche Zeitung, 14.03.2011
„Abschied vom Bleistift. In Berlin sind Papierarbeiten aus dem MoMA zu sehen.“
Gleich neben dem Eingang hängen vier Blätter von Joseph Beuys mit Titeln wie „Aktionsplan“ oder „Kräfte“. Hier irrt wirklich noch der Bleistift über Papier und verrät die suchende Hand. […] Während diese [MoMA Schau in Berlin 2004, Anm. d. MGB] auf Kosten von Max Ernst bis Joseph Beuys das 20. Jahrhundert als eine rein amerikanische Veranstaltung deutete, sind nun dezidiert auch europäische, vor allem deutsche Künstler vertreten.