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Köln in Berlin

Nach dem Einsturz: Das Historische Archiv
6. März bis 11. April 2010

Veranstalter
Stadt Köln und Berliner Festspiele
Medienpartner rbb kulturradio, Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger
Kooperationspartner Dussmann das KulturKaufhaus, VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.

Als das Historische Archiv der Stadt Köln am 3. März 2009 einstürzte, ging ein Aufschrei durch das Land. Menschen kamen ums Leben. 90 Prozent des wertvollen Archivguts wurde verschüttet.

Archive sind das Gedächtnis des Gemeinwesens und das Kölner Archiv galt lange Zeit als Flaggschiff unter den kommunalen Archiven. Erstmals wurde es im Jahr 1322 erwähnt, da passte das Archiv noch in eine Kiste. Schriftgut aus 800 Jahren wurde dort bewahrt, restauriert und erforscht. Es beheimatet Ratsprotokolle seit anno 1320, Nachlässe von Komponisten wie Jacques Offenbach und Max Bruch, der Fluxus-Künstlerin Mary Bauermeister, des Malers Wilhelm Leibl und des Schriftstellers Heinrich Böll, um nur einige wenige zu nennen.

Im Martin-Gropius-Bau gibt das Archiv mit ca. 100 Leihgaben erstmals Einblicke in die Schätze des Archivs: Zusehen sind u.a. die bedeutende Handschrift aus dem Jahr 1258 „Liber de animalibus“ von Albertus Magnus, die Partitur „Les cinq soeurs“ von Jacques Offenbach, ein Musikmanuskript von Hans Werner Henze, Dokumente aus der Amtszeit Konrad Adenauers als Kölner Oberbürgermeister sowie frühe Manuskripte des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll. Ferner dokumentiert die Ausstellung den durch den U-Bahn Bau herbeigeführten Einsturz des Archivs.

Pressestimmen

„Das größte Puzzle der Welt“
Viele der Kölner Handschriften gehören zur deutschen und europäischen Geistesgeschichte. Und Nachlässe wie die des Komponisten Jacques Offenbach, von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Literaturnobelträger Heinrich Böll unterstreichen den überlokalen Aspekt.
Solche Stücke, insgesamt rund einhundert, zeigt ab Freitag die Ausstellung „Köln in Berlin“ im Martin-Gropius-Bau – in restauriertem wie unrestauriertem Zustand.
Dietmar Bartz in die tageszeitung, 03.03.2010

„Das Opfer steht auf“
Unersetzliche Handschriften, Nachlässe, Akten, Fotografien und Pläne schienen unrettbar verloren.
Für wenige fünf Wochen sind nun einige der wichtigsten Schätze des Stadtarchivs im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. In flachen Tischvitrinen, weiß gestrichen, einfaches Glas, werden aus dem Schutt geborgene, bereits restaurierte, aber auch nur im Fragment erhaltene Originale gezeigt. Fotos von der Bauruine und den Aufräumarbeiten hängen an den Wänden, in einem Raum läuft ein Film über die Rettung der Archivalien. […]
Eine solche Ausstellung, bekannte der Direktor des Gropius-Baus, Gereon Sievernich, wäre wohl niemals zustande gekommen, wenn es den Einsturz nicht gegeben hätte. Das Archiv hätte es nicht gewagt, eine solche Fülle von wahrhaft einzigartigen Schätzen aus dem Haus zu geben. Da ist die Handschrift von Albertus Magnus „Liber de Animalibus“ mit seinen eigenen Anmerkungen zu sehen, daneben ein Privilegbrief Kaiser Friedrich Barbarossas. Gegenüber der Handschrift des Tristan-Romans von 1323 liegt, weit ausgebreitet, der „Verbundsbrief“. Die Kölner Bürger gaben sich damit 1396 eine Verfassung, die bis 1797 galt.
Nikolaus Bernau in Frankfurter Rundschau, 06.03.2010

„Kostbare Schätze und immense Schäden“
Einerseits ist es eine Geste - eine Art symbolisches Asyl. Im Martin-Gropius-Bau, einem der renommiertesten Ausstellungsorte der Hauptstadt, zeigt das Kölner Stadtarchiv ab heute geborgene, dem Unglück entrissene Schätze. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Kölner Katastrophe kein Lokalereignis ist, sondern weit über die Stadtgrenzen hinaus alle Verantwortlichen zum Helfen auffordert. Andererseits ist es viel mehr – nämlich eine kulturhistorische Präsentation allerersten Ranges. „Was hier an einem Ort gezeigt wird, das ist so wertvoll und bedeutend, dass es sonst auf zehn verschiedenen Flügeln verteilt aufbewahrt wird“, meinte gestern Gereon Sievernich, der Direktor des Gropius-Hauses.
Norbert Wallet in Kölnische Rundschau, 06.03.2010

„Verloren, gerettet“
[…] Fotos von der Bauruine und den Aufräumarbeiten hängen an den Wänden, ein Film zeigt die Notrettung der Archivalien. Aber nichts beeindruckt so sehr wie die zu einem formlosen Klumpen zusammengepressten Akten, fast wie eine Kunstinstallation – wäre da nicht die Schrift zu sehen. […]
Nikolaus Bernau in Berliner Zeitung, 06.03.2010

„Die Opfer des launischen Dämons“
[…] Die Ausstellung „Köln in Berlin“ ist ein aus Inkunabeln buchstabierter Schadensbericht. Der tatsächliche Schaden, der bei der Katastrophe vor einem Jahr entstand, lässt sich zwar in Zahlen ausdrücken – dreißig Regalmeter Akten und Amtsbücher, fünfundsechzigtausend Urkunden aus elfhundert Jahren –, aber in menschlichen Begriffen nicht fassen. Unsere Vorstellungskraft braucht Einzelbelege, Indizien. Die liefert die Präsentation im Gropiusbau. […]
Andreas Kilb in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2010