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F.C. Gundlach. Das fotografische Werk

Ausstellung
20. November 2009 bis 14. März 2010

Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg in Kooperation mit dem Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg.
Kuratoren Klaus Honnef, Hans-Michael Koetzle in Zusammenarbeit mit Sebastian Lux, Ulrich Rüter
Partner FALKE, Pixel Grain, BREAD & butter, 14 oz.
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen, Der Tagesspiegel, Brigitte

„Mode ist immer ein Ausdruck von Zeitgeist, vielleicht sogar der beste Indikator“
F.C. Gundlach

Ab 20. November 2009 präsentiert der Berliner Martin-Gropius-Bau mit der Ausstellung „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ die Retrospektive des fotografischen Lebenswerkes eines der bedeutendsten Modefotografen, der über vier Jahrzehnte für die wichtigsten Magazine und Publikationen in Deutschland arbeitete. F.C. Gundlach vermochte wie kein anderer Modefotograf den Zeitgeist einzufangen und ihn als Indikator für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen. Neben vielen bekannten Bildern zeigt die bisher umfangreichste Präsentation mit rund 350 Exponaten auch viele unbekannte Facetten des Werkes von F.C. Gundlach.

Bereits als Zehnjähriger hatte Gundlach (geboren 1926 in Heinebach/Hessen) seine Affinität zur und Passion für die Fotografie entdeckt. Eine eigene Dunkelkammer und Agfa Box folgten im Jahr 1938. Durch den Militärdienst sowie die Wirren des Zweiten Weltkriegs unterbrochen, nahm er erst ab 1947 die Beschäftigung mit dem Medium wieder auf und ließ sich bis 1949 zum Fotografen ausbilden.

Schnell entschied sich F.C. Gundlach für eine Spezialisierung auf Modefotografie und avancierte durch Arbeiten für Zeitschriften wie etwa Film und Frau oder Brigitte in kürzester Zeit zu einem der renommiertesten „Fashion Photographer“. Dabei war es nicht nur die Mode selbst, die er immer perfekt ins rechte Licht zu setzen vermochte, sondern auch die Posen und Gesten der Models in Kombination mit ausgefallenen Requisiten und mythischen Orten. So führten ihn seine Modeproduktionen sowohl nach Paris und New York als auch nach Ägypten und Marokko. Diese Fotografien – vielfach gedruckt – sind zu Schlüsselmotiven in seinem Werk geworden; einem Werk, dessen Modebilder den Geist der jeweiligen Zeit reflektierten und visualisierten und den von morgen antizipierten. Auf diese Art und Weise hat F.C. Gundlach über 40 Jahre selbst ein Stück Modegeschichte geschrieben.

Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Maria Schell, Jean-Luc Godard, Nadja Tiller, Romy Schneider, Horst Buchholz und viele andere: F.C. Gundlach fotografierte die führenden Darsteller und Regisseure des westdeutschen und des internationalen Films und war auf Filmbällen und Preisverleihungen präsent. Er fotografierte „Homestories“ und arbeitete für Verleihfirmen. Neben den klassischen Modefotografien werden im Rahmen der großen Werkschau im Martin-Gropius-Bau auch diese Star-Porträts F.C. Gundlachs und einige seiner beeindruckenden Reise-Reportagen zu sehen sein, die ab den 1950er Jahren in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Japan, Kambodscha und Thailand entstanden sind. Desweiteren wird F.C. Gundlachs Zeitschriftenarbeit, insbesondere für Film und Frau (1951–1966) und Brigitte (1963–1986), erstmals in diesem Umfang dargestellt. Seine Fotografien werden im Kontext einer reichhaltigen Auswahl von Doppelseiten und zahlreichen Titelblättern gezeigt.

Ein besonderer Fokus wird jedoch auf die Stadt Berlin selbst gelegt, denn mit der historischen Bedeutung Berlins als internationale Mode-Metropole war Berlin für F.C. Gundlach neben Paris der wichtigste Arbeitsort und diente als Motiv und Inspiration. Die Ausstellung nimmt diesen roten Faden in ihrer Bildführung auf und führt den Betrachter an die schönsten Orte der Stadt.

Die Kuratoren Klaus Honnef, Hans-Michael Koetzle, Sebastian Lux und Ulrich Rüter erlauben als Ergebnis mehrjähriger Recherchen einen neuen Blick auf das fotografische Œuvre F.C. Gundlachs: seine Wurzeln im Bildjournalismus, das Spezifische seiner Bild-Ästhetik, sein Denken in Serien und Sequenzen, seine narrativen Ansätze. Die Schau berührt gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen über mehrere Jahrzehnte hinweg.

In einem 40-minütigen, speziell für diese Ausstellung vom Filmemacher Reiner Holzemer produzierten Interview kommentiert F.C. Gundlach seine Arbeitsweise selbst.

Nicht nur Fotograf, auch leidenschaftlicher Förderer der Fotografie
1967 gründete F.C. Gundlach die Firma CC (Creative Color GmbH), 1971 die Firma PPS. (Professional Photo Service) als Dienstleistungsunternehmen für Fotografen mit Schwarzweiß- und Farblaboren, Rent-Service, Mietstudios und Fachbuchhandlung. Die 1975 gegründete PPS. Galerie F.C. Gundlach war eine der ersten Fotogalerien Deutschlands und zeigte bis 1992 rund 100 Ausstellungen. F.C. Gundlach lehrte an der Hochschule der Künste, Berlin und kuratierte viele Ausstellungen zur Mode und Modefotografie im In- und Ausland. Im Jahr 2000 gründete F.C. Gundlach die Stiftung F.C. Gundlach, deren Aufgabe das Bewahren, Erschließen und Präsentieren seiner umfangreichen Sammlung sowie des Werkes von F.C. Gundlach ist.
2003 wurde F.C. Gundlach Gründungsdirektor des „Hauses der Photographie“ in den Deichtorhallen Hamburg, dem er seine Sammlung „Das Bild des Menschen in der Photographie“ als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte.

Katalog
Die gleichnamige Monografie, ausgezeichnet mit dem deutschen Fotobuchpreis 2009, zur Ausstellung, erschienen im Steidl Verlag Göttingen (2008), spiegelt vier Jahrzehnte Schaffenskraft des Fotografen F.C. Gundlach. Der Band ist das Ergebnis mehrjähriger Recherchen. Die Auswahl versammelt rund 300 Fotografien, darunter zahlreiche Schlüsselwerke sowie viele selten oder noch nie gezeigte Arbeiten. Zeitschriften, Magazine und Broschüren dokumentieren F.C. Gundlachs Arbeit im Spiegel von Editorial und Werbung. Der aufwändig gestaltete Band zeichnet das Bild eines großen Fotografen, der es souverän verstand, sich über den „geronnenen Gegensatz des zweckfreien und des zweckvollen“ (Th. W. Adorno) in der Bildkunst hinwegzusetzen.
Herausgegeben von Klaus Honnef und Hans-Michael Koetzle in Zusammenarbeit mit Sebastian Lux und Ulrich Rüter.
Steidl Verlag Göttingen, 2008.
Leineneinband, 448 Seiten, € 49,80, ISBN Nr. 978-3-86521-670-0

Die Kuratoren
Klaus Honnef, geboren 1939 in Tilsit. Publizist und Ausstellungsmacher. Seit 1968 Kurator „Gegenverkehr”, Aachen (bis 1970), Direktor Westfälischer Kunstverein, Münster (bis 1975), 1974–1999 Ausstellungschef Rheinisches Landesmuseum Bonn, Mitorganisator documenta5 und documenta 6, Kassel. 1980–2004 Professor für Theorie der Fotografie, Kunsthochschule Kassel. Zahlreiche Ausstellungen und Kataloge, zuletzt Heinz Hajek-Halke. Form aus Schatten und Licht (2005), Martin Munkacsi (2005), Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert (2003) und gemeinsam mit Gabriele Honnef-Harling Von Körpern und anderen Dingen (2003).

Hans-Michael Koetzle, geboren 1953 in Ulm. Schriftsteller, Publizist und Ausstellungsmacher. 1996–2007 Chefredakteur der Zeitschrift Leica World. Zahlreiche Ausstellungen, zuletzt Theodor Hilsdorf (2007), René Burri (2004) und twen – Revision einer Legende (1995). Zahlreiche Buchpublikationen, zuletzt Lexikon der Fotografen (2002), Willy Fleckhaus (1997), Photo Icons (2001) und Das Foto – Kunst- und Sammelobjekt (1997).

Sebastian Lux, geboren 1971 in Göttingen. Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler. Seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Stiftung F.C. Gundlach. Mitwirkung an Ausstellungen und Katalogen, zuletzt Martin Munkacsi (2005) und Bilder machen Mode (2004).

Ulrich Rüter, geboren 1965 in Hamburg. Kunsthistoriker und Dozent für Fotografiegeschichte. Seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung F.C. Gundlach. Mitwirkung an Ausstellungen und Katalogen, zuletzt Die Pose als Körpersprache (2007) und Martin Munkacsi (2005).


Pressestimmen

„Manche mögen’s Weiß. Der Fotograf F.C. Gundlach hat Mode gemacht.
Den kühlen Ästheten ehrt jetzt der Martin-Gropius-Bau“
Im Kontext erweitert sich die Perspektive, statt der Mode defiliert ein Stück Zeitgeschichte vorbei. Selbst ein Bild wie Gundlachs immer wieder gezeigtes Portrait von Romy Schneider gewinnt neue Konturen, weil die Ausstellung die ganze Session in kleinen Kontaktabzügen zeigt.
Christiane Meixner in Der Tagesspiegel, 20.11.2009

Fotografierte Mentalitätsgeschichte. Zeitgeistindikator Mode. Mit „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ zeigt der Martin-Gropius-Bau eine sehenswerte und überraschungsreiche Retrospektive von Deutschlands lange Zeit erfolgreichstem Modefotografen.
Achim Drucks in tageszeitung, 23.11.2009

„Illusion und Wirklichkeit. Eine Schau im Martin-Gropius-Bau widmet sich dem Werk des großen Nachkriegs-Modefotografen F.C. Gundlach“
Er bildete Mode nicht nur ab, sondern interpretierte sie. Mangel kompensierte er durch Ideen, Hürden nahm er mit Bravour. „Ein Schnitt, ein Faltenwurf könnte ein Thema für ein Bild sein“, fand Gundlach. „Ein Modefoto muss den Zeitgeist widerspiegeln.“ […] Zwei Jahrzehnte prägte Gundlach das Bild von einer sportlich-modischen Frau mit, die mit beiden Beinen im Leben steht, in der auflagenstärksten Zeitschrift „Brigitte“.
Albert Jaritz in Märkische Oderzeitung, 04.12.2009

„Dienstleister der Verdrängung. Im Gropiusbau beeindruckt die Retrospektive „F.C. Gundlach. Das fotografische Werk“ “
[…] Mehr als die bestechend komponierten Präsentationen von Mode faszinieren die en passant geschossenen Starporträts: Gérard Philippe, Jean Marais, Fernandel, Michel Simon, innig verschränkt Sigoret und Montand, Modezaren bei ihrer Arbeit. Gundlach denkt in Storys, konfrontiert in Serien Mode und Kunst, Charlie Rivel etwa oder Nadja Tiller. […] Es sind eher die Porträts und zweckbefreiten Reisereportagen, die den wahren, sensiblen Blick eines großen Fotografen offenbaren.
Volkmar Draeger in Neues Deutschland, 29.12.2009

„Schmerzhaft schön. Zwei Ausstellungen zeigen die „andere“ Romy Schneider in den Bildern des Modefotografen F.C. Gundlach“
Der deutsche Fotograf und Sammler F.C. Gundlach, der mit seinem fotografischen Œuvre Mode- und Kulturgeschichte geschrieben hat, erinnert sich an seine Begegnung mit Romy Schneider im Jahr 1961. Aus dem intensiven Dialog zwischen dem Fotografen und der damals 23-jährigen Schauspielerin sind die Aufnahmen entstanden, in denen sich die bevorstehende Verwandlung der damals noch „Kronprinzessin des deutschen Films“ Genannten schon ankündigte. Einige der eindrucksvollsten Fotos aus der Porträtserie sind nun in Berlin zu sehen, in der Gundlach-Retrospektive im Martin-Gropius-Bau. […]
Marisa Buovolo in Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2009