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Die Tropen. Ansichten von der Mitte der Weltkugel

Ausstellung
12. September 2008 bis 5. Januar 2009

Veranstalter
Goethe-Institut und Ethnologisches Museum – Staatliche Museen zu Berlin

Kuratoren
Alfons Hug, Rio de Janeiro
Dr. Peter Junge, Berlin
Prof. Dr. Viola König, Berlin

Ausstellungsstationen
Brasilia, Berlin

Zwanzig Jahre nach der wegweisenden Schau „Les Magiciens de la Terre“ in Paris unternahm die Ausstellung „Die Tropen – Ansichten von der Mitte der Weltkugel“ im Martin-Gropius-Bau erneut den Versuch, zu zeigen, welche kulturellen Kräfte zusammen und welche gegeneinander wirken. Die Ausstellung wollte einen unbestechlichen, krisenresistenten Bildervorrat vorschlagen, der eine nichthierarchische Betrachtung der Welt erlaubt.

Generell ging es um eine Reästhetisierung der Rede über die Tropen, die dazu beitragen sollte, angesichts der übermächtigen politischen und ökonomischen Diskurse das kulturelle Gewicht der tropischen Naturräume in die Waagschale zu werfen. Die Ausstellung war auch eine Etappe auf dem Weg zum Humboldt-Forum, das künftig in der Mitte Berlins die außereuropäischen Kulturen zu einem Zwiegespräch mit den Meisterwerken Europas auf der Museumsinsel einladen will.

Der Begriff der Tropen war von Beginn an ein kulturelles Konstrukt. Zwischen der tropischen Natur und ihrer Wahrnehmung durch die Menschen lagen immer wieder Vorstellungen aus der Literatur und der bildenden Kunst. Deutungen und Lesarten der Tropen gleichen einer imaginären Bibliothek und einem erfundenen Museum, in denen unsere Träume und geheimen Wünsche aufgehoben sind. Bis heute prägen die Künstler unsere Vorstellung der Tropen. Die Ausstellung setzte an der europäischen Projektion der Tropen an, sie versuchte aber zugleich, dieses Konstrukt zu reflektieren. Diese Ambi-valenz zeigte sich in den verschiedenen Ansätzen der drei Kuratoren. Alfons Hug zeigte nicht nur Werke von zeitgenössischen Künstlern aus den Tropen, sondern bezog auch Werke von Künstlern ein, die nicht aus den Tropen stammen, diese aber zum Thema machen. Viola König gruppierte Objekte innerhalb des Themas „Farben und Klänge der Tropen“ und ermöglicht so, Gemeinsamkeiten bestimmter Aspekte der Kunst aus den Tropen nachzugehen. Peter Junge stellte Beispiele der Kunst aus den Tropen zu drei grundsätzlichen Themen menschlicher Gesellschaften vor, deren Gemeinsamkeit zunächst nur darin bestand, dass sie Kulturen zugeordnet sind, die dem geografisch definierten Bereich der Tropen angehören.

Etwa 200 alte Kunstwerke von zumeist anonym gebliebenen Künstlern aus Ghana, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Indien, Thailand, Sri Lanka, Myanmar, Indonesien, Papua Neu Guinea, Hawaii, Samoa, Brasilien, Guatemala, Mexiko, Panama, Peru und Bolivien sind zu sehen.
Wie auch Werke von folgenden zeitgenössischen Künstlern:

Franz Ackermann (Deutschland), Pilar Albarracín (Spanien), Alexander Apostol (Venezuela), Fernando Bryce (Peru/Berlin), Edward Burtynsky (Kanada), Roberto Cabot (Frankreich/Brasilien), Marcos Chaves (Brasilien), Walmor Corrêa (Brasilien), Daspu (Brasilien), Maurício Dias/Walter Riedweg (Brasilien/Schweiz), Dinh Q. Lê (Vietnam), Mark Dion (USA), Adriano Domingues (Brasilien), Theo Eshetu (Äthiopien), Sandra Gamarra Heshiki (Peru), Andreas Gursky (Deutschland), Candida Höfer (Deutschland), Pieter Hugo (Südafrika), Jitish Kallat (Indien), Mariana Manhães (Brasilien), Milton Marques (Brasilien), Beatriz Milhazes (Brasilien), Marcone Moreira (Brasilien), Marcel Odenbach (Deutschland), Paulo Nenflídio (Brasilien), Denis Nona (Australien), Sherman Ong (Singapur), Vong Phaophanit (Laos), Navin Rawanchaikul (Thailand), REA (Australien), Caio Reisewitz (Brasilien), Mauro Restiffe (Brasilien), Julian Rosefeldt (Deutschland), Hans-Christian Schink (Deutschland), Gerda Steiner/Jörg Lenzlinger (Schweiz), Thomas Struth (Deutschland), Fiona Tan (Indonesien/England), Guy Tillim (Südafrika), David Zink Yi (Peru/Berlin)

Das Goethe-Institut nahm in Zusammenarbeit mit dem Ibero-Amerikanischen Institut, dem Hebbel am Ufer und den Freunden der Deutschen Kinemathek e.V. / Kino Arsenal die Ausstellung zum Anlass für ein gemeinsames Tropen-Rahmenprogramm mit Musik, Performance, Film, Fotografie, Diskussionen, Symposien und Vorträgen.

Ein Katalog zur Ausstellung erschien auf deutsch und englisch beim Kerber Verlag und enthält auf 344 Seiten Essays und kürzere Beiträge zur Kunst der Tropen und verschiedenen kultur- und gesellschaftspolitischen Fragen.

Pressestimmen

Eckhard Fuhr in Die Welt (Berlin), 12.09.2008
„Universalbildung zum Anschauen“
Die Ausstellung „Die Tropen“, die von heute an im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, tritt gegen einen mächtigen Verhau aus Seh- und Denkgewohnheiten an. Gegen die Übermacht exotischer, politischer oder ökologischer Betrachtungsweisen setzt sie eine „Reästhetisierung“ der Tropen.

Anja Lösel in Stern (Hamburg), 12.09.2008
„Austellung ‚Die Tropen‘. Zwischen Armut und Exotik.“
Die Ausstellung versucht das Unmögliche: „Den Blick von Innen und Außen zugleich“, so Alfons Hug, einer der Macher. Er will weg von der „falschen Exotismus-Debatte“. […]
Jeder Raum bringt neue Stimmungen. Plötzlich steht man mitten in einem Tanzfest.

Claudia Nold in ZDF/Aspekte, 12.09.2008
„Tropenkunst – Neue Perspektiven. Ansichten von der Mitte der Weltkugel“
Ethnologische Exponate stehen im Dialog mit zeitgenössischer Kunst: eine einzigartige Mischung. […] die Tropen haben viele Gesichter, wie die Ausstellung im Berliner Gropius-Bau zeigt. Alt und neu. Subtil und provokant. […] Trotz der Gegensätze verändert die Ausstellung unseren Blick und schärft unsere Sinne. Wie leicht sind wir doch zu verführen, beim Traum vom Paradies.

Harald Jähner in Berliner Zeitung, 12.09.2008
„Eine Klimazone der Fantasie. Üppig wuchern moderne und alte Mythen in der Berliner Ausstellung ‚Die Tropen‘“
Diese „Ansichten von der Mitte der Weltkugel“ […] gehen ihren Gegenstand auf eine radikal ästhetische, ja geradezu poetische Weise an. […] Moderne und traditionelle Kunst werden dabei genau so unbekümmert vereint wie westliche und nichtwestliche. Hauptsache, es macht Klick im Kopf. Und das macht es dauernd. […] Die Ausstellung ist so sinnverwirrend wie anregend. […] „Die Tropen“ sind ein Wachtraum voller Rätsel, Wunder, Täuschungen, Widersprüche und Erkenntnisse.

art (Hamburg), September 2008
„Im Reich der Paradoxie. Ethnische Kunst und Arbeiten von Gegenwartskünstlern im Gropius-Bau.“
[…] eine Ausstellung, die den Mythos Tropen durch Kunst nicht rational zu erklären, aber zu illustrieren versucht, indem sie alte Stammeskunst mit Werken zeitgenössischer Künstler in Beziehung setzt.

Focus (München), 12.09.2008
„Tropen-Schau. Trübe Aussichten für den Urwald“
Als exotische Fundstücke bebildern viele Werke aus Europa, Asien, Ozeanien und Amerika auf den ersten Blick tatsächlich das Klischee der Tropen als Hoffnungs- und Schreckensort der westlichen Zivilisation. Die Geister, Götter und Gestalten etwa aus dem alten Mexiko oder der Südsee verbindet die Ausstellung mit Videos über die Zerstörung des Urwalds und großformatige Bilder von Fotokünstlern wie Andreas Gursky und Thomas Struth zu einem großartigen Panorama. […] In der Gegenüberstellung von Bildern und Ikonen hinterfragt die Ausstellung virtuos unsere gängigen Bilder.


Besucherstimmen

Grandios!

[…] überreiche Natur, reiche Kunst: die Tropen aus neuer Perspektive!

Eine sehr schöne Ausstellung – hätte sich documenta mal so angestrengt.

Großartig!

Very wonderful.

Abwechslungsreich und interessant.

Eine sehr schöne Ausstellung, die der Gefahr entgeht, bloß abzubilden und dafür Prozesse sichtbar werden lässt.

Bonne exposition, originale, intéressante, surprenante qui fait changer notre regard sur les tropiques et fonctionner notre imagination – un coup de cœur pour l’installation « jungle nouvelle » ou « jungle de future » […]

Die Ausstellung ist sehr vielfältig, ich komme nochmal.