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Robert Lebeck. Fotografien 1955–2005

Ausstellung
28. November 2008 bis 23. März 2009

Veranstalter
Berliner Festspiele
Kuratorin Gisela Kayser
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen

Der Martin-Gropius-Bau widmet dem deutschen Fotoreporter Robert Lebeck eine große Werkschau. Er fotografierte für Revue, Kristall und Stern und war Chefredakteur des Magazin GEO. Mit seiner Reportage „Afrika im Jahre Null“ (1960) wurde er bekannt. Das Foto eines jungen Afrikaners, der bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit des Kongo König Baudouins Degen stahl, ging um die Welt und ist noch heute seine „Visitenkarte“.

Robert Lebeck wurde am 21. März 1929 geboren und gehört zu jener Generation, die noch jung in den Krieg ziehen musste. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, kam an die Ostfront und geriet 1945 in Gefangenschaft. Was Todesangst ist, aber auch welch Überlebenswillen in ihm steckt, erfuhr er als Fünfzehnjähriger an der Oder hinter einem Maschinengewehr, auf das russische Panzer zurollten. Er entkam dem Tod, aber nicht dem Zusammensturz der Welt und der Auflösung jeder Ordnung. Dies wird in seinen Bildern sichtbar: in der leisen Trauer, die viele seiner Fotografien prägen, in der Skepsis gegenüber allen Fassaden, in der inneren Distanz zu den Menschen, die er doch so nah und so deutlich zeigt.

Vier Monate nachdem er 1952 angefangen hatte zu fotografieren, erschien das erste Lebeck-Foto auf der Frontseite einer Zeitung. Es war ein Bild von Konrad Adenauer in der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“. Lebeck war 23 Jahre alt. Er fotografierte Hochzeiten, Fußball, Karneval, Kinder, Huren, Oberbürgermeister, Jazzclubs und Studenten. Lebecks oberstes Gebot für seine Arbeit war immer der Anspruch, dass das Bild in sich „stimmt“, und dies ist auch der Grund seines Erfolges. Der Durchbruch zum Ruhm gelang ihm wenige Jahre später, als er 1960 für die in Hamburg erscheinende „Kristall“ drei Monate lang durch Afrika reiste. Es war das Jahr, in dem die europäischen Mächte ihre einstigen Kolonien in die Unabhängigkeit entließen. In Leopoldville versammelte sich die Weltpresse, um die Unabhängigkeitsfeiern von Belgisch-Kongo, des größten Landes Schwarzafrikas, zu erleben. König Baudouin fuhr, im offenen Wagen stehend, durch die Stadt. Ein Schwarzer entriss ihm plötzlich den Säbel und lief, die erbeutete Waffe im Triumph schwingend, davon. Lebeck schoss das Bild des Jahres. Ein Symbol für den Niedergang der Macht des weißen Mannes und für die blutigen Wirren, in denen der Kongo alsbald versinken sollte.

„Ohne Glück kannst du nichts werden“, meint Lebeck dazu, tatsächlich ist ihm das Reporterglück auf eine fast penetrante Art immer treu geblieben. Aber nur Glück? Er selbst weiß es besser. Es gehört zu diesem Beruf, zu dieser Kunst, eine spezifische Wachheit, die nichts zu tun hat mit jener aufgeregten Umtriebigkeit, die Fellini in der Figur des Paparazzo so drastisch karikiert hat. Die Wachheit des guten Reporters ist von einer leisen, unaufdringlichen Art. „Der entscheidende Augenblick“ ist immer nur der Bruchteil einer Sekunde Fotografie, auch journalistische Fotografie, kann pathetisch sein, brutal, obszön, sentimental. Lebecks Fotografie ist nichts von alledem. Sie ist auf eine irritierende Weise nüchtern. Seine Bilder haben immer etwas von dem sezierenden Blick eines Chirurgen. Gerade das Kühle, Unbeteiligte, die innere Distanz zum Objekt und zum Vorgang machen die Wirkung von Lebecks Arbeiten aus. Er gibt keine Antworten und will keine geben. Er lässt seine Bilder Fragen stellen, und manche dieser Bilder bohren sich wie mit Widerhaken im Gedächtnis fest.

Das, was man üblicherweise „Sensationen“ nennt, fehlt bei Lebeck – von Ausnahmen abgesehen. Er überlässt das anderen. Über seinem ganzen Werk liegt ein Hauch von augenzwinkernder Ironie, die Haltung eines Mannes, der das ganze Getriebe durchschaut hat und es gerade deshalb reizvoll findet. „Nun macht bloß nicht so viel Theater“, scheint er zu denken, während er das Theater fotografiert. 1991 erhielt Robert Lebeck den Dr. Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau ist mit über 400 Werken die bisher umfangreichste Präsentation von Bildern Robert Lebecks. Zu sehen sind zudem gedruckte Reportagen, die auch einen repräsentativen Einblick in die Zeitschriftenlandschaft der Nachkriegszeit geben. 300 bekannte und unbekannte Fotografien erinnern anlässlich seines 80. Geburtstages (am 21.3.2009) an die aktiven Jahre (1955–2005) des ehemaligen Stern-Reporters, der 2007 als erster Fotograf den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk erhielt.

Pressestimmen

„Mit 300 bekannten und unbekannten Fotografien erinnert die Ausstellung anlässlich des bevorstehenden achtzigsten Geburtstages an die aktiven Jahre des ehemaligen Sternreporters. […] Es handelt sich um die bisher umfangreichste Präsentation seines Schaffens.“
Photography Now, 2008

„Mit der ersten Werkschau des Fotografen Robert Lebeck aus den Jahren 1955–2005 dokumentiert der Berliner Martin-Gropius-Bau die Arbeit eines ‚Zeitzeugen mit der Kamera‘, der den Bildjournalismus in Nachkriegsdeutschland geprägt hat.“
Die Welt Kompakt, 28.11.2008

„[…] Trotz seiner Popularität galt Lebeck beim ‚Stern’ wo er 1994 nach rund 30 Jahren seinen Abschied nahm, immer als der Fotograf mit den geringsten künstlerischen Ambitionen. Die Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau gibt Gelegenheit zur Revision.“
Art, 12.2008 | Kito Nedo: „Warten auf das Unvorhersehbare“

„[…] Wer die Mühe nicht scheut, in die zweite Etage des Berliner Martin-Gropius-Baus zu steigen, wird reich belohnt werden: Ein Gesichtsmuseum der besonderen Art ist dort jetzt bis zum Frühjahr zu besichtigen: 400, fast ausschließlich schwarzweiße Fotografien des gebürtigen Berliners Robert Lebeck werden präsentiert, entstanden in den Jahren 1955 bis 2005 – eine atemberaubende Bilderrevue.“
Mitteldeutsche Zeitung, 09.12.2008 | „Das Auge des Fotoreporters bewahrt Gesichter der Welt“

„Der 1929 geborene Fotograf bewegte sich immer einige Schritte neben ausgetretenen Pfaden, er suchte Perspektiven, die anders, einzigartig waren. […] Den Beweis dafür liefert eine großartige Retrospektive auf die mehr als 50-jährige Karriere Lebecks im Berliner Martin-Gropius-Bau.“
Neue Osnabrücker Zeitung, 29.12.2008 | „Jenseits künstlerischer Posen“